Predigtanfänger und sieben falsche (Schlag-)Gewohnheiten

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Die Baseballschläger meines Bruders sind für Linkshänder. Das merkwürdige daran ist, dass er alles andere – schreiben, werfen, winken, Karten ziehen – mit seiner rechten Hand tut.  

Einmal habe ich ihn gebeten, mir diese Besonderheit seiner linkshändigen Schlaggewohnheit zu erklären. „Es ist einfach“, fing er an. „Ich habe falsch angefangen und habe dann so weiter gemacht.“ Das brachte mich zum Nachdenken über Prediger. Insbesondere über neue Prediger – diese Neulinge entwickeln schon sehr früh Kanzelgewohnheiten, bereits kurz nachdem sie frisch gebacken aus dem Studium auf Kanzeln steigen oder ihre Fähigkeiten am Eisen der Gemeindegründung schleifen.

Vielleicht warst du mal in der Situation oder vielleicht bist du gerade in der Situation. Wenn ja, dann lerne eine Lektion aus der Schlaggewohnheit meines Bruders: Starte nicht auf dem falschen Fuß. Und wenn, bitte bleibe nicht dabei.

Über dreißig Jahre im Dienst habe ich einige Predigten gehört, die einen Neustart brauchten. Traurigerweise waren die meisten davon auf meinen eigenen Lippen. Wie mein Bruder bin ich in vielen Bereichen falsch gestartet, bis mein „Kanzelschlag“ korrigiert wurde, entweder durch schlechte Frucht oder gute Ratschläge. Einige meiner Fehler waren gewöhnlich für Predigtanfänger. Andere Fehler von Neuanfängern konnte ich dankbarerweise vermeiden.

Hier sind sieben der bekannteren Fehler. Wenn du in den ersten paar „Spielrunden“ des Predigtdienstes bist, kann dir die Liste vielleicht weiterhelfen richtig zu starten, gut auszuholen und dabei zu bleiben.

1. Redundante Einleitungen

Eine gute Einleitung hat zwei einfache Ziele: (1) Die Neugier der Zuhörer zu wecken und (2) sie auf dem Weg zu einem Lehrsatz oder einem Abschnitt zu begleiten. Sofern du nicht Matt Chandler heißt, brauchst du eine. Das Schlüsselwort hier ist „eine“. Viele Anfänger erzählen einige Geschichten, streifen aktuelle Geschehnisse, schustern kluge Kommentare zusammen oder kreisen wiederholt über dem Text und vergessen dabei, zu landen. Tu das nicht. Beantworte folgende Frage: „Warum sollte der Abschnitt dich faszinieren?“ – und dann komme zur Bibel. Ach ja, und versuch deine Einleitungen etwas zu variieren. Beginne mit einem Zitat, stelle eine Frage, male den Kontext bildlich aus – denk gut darüber nach, wie du deine Einleitungen interessant, vielfältig und kurz gestalten kannst.

2. Faule Illustrationen

Gute Illustrationen überzeugen die Zuhörer davon, dass die Bibel lebendig ist; Gottes Wahrheit bewegt sich geschickt in der realen Welt. Das erfordert harte Arbeit. Du musst ein Auge für gute Illustrationen entwickeln, ein System erarbeiten, wie du sie abspeichern und wieder abrufen kannst und dir in der Predigtvorbereitung Zeit nehmen, um dir Illustrationen zu überlegen. Illustrationen sind faul gewählt, wenn sie vorhersehbar sind. Zu oft schöpfen Prediger Wasser wiederholt aus einer einzigen seichten Quelle – Sport, Film, Politik, oder – das wird weh tun – der eigenen Familie. In dem Obstgarten von Illustrationen können Familiengeschichten sehr schnell die tiefhängenden Früchte werden, die schnell gepflückt sind und rasch verderben. Manchmal erlauben junge Prediger ihrer Vorstellungskraft einfach nicht, über ihr eigenes Zuhause hinaus über Natur, Kirchengeschichte, eine breitere Palette von kulturellen Autoritäten und - am wichtigsten - über der Bibel zu kreisen. Predigtpunkte durch Gottes Wort zu erklären ist wie eine Doppelschleife, die man bindet, denn man gründet seine Gemeinde in Gottes Wort.

3. Heldenfaktor

Wenn du Geschichten über dich selbst oder deine Gemeinde erzählst, wer ist der Held? Ist es Gott? Ist es die erstaunliche Kraft des unaufhaltbaren Evangeliums? Oder sind deine Geschichten trojanische Pferde, die dein Ego in die Predigten schmuggeln? Die Kanzel ist das Lenkrad der Gemeinde. Gott sei Dank, fahren viele Pastoren die Gemeinde zum dreieinigen Gott. Doch manchmal führen unsere Botschaften zum Berg des eigenen Ichs. Dies passiert durch Phrasen oder die Art und Weise, wie der Prediger über sich spricht, doch die Wirkung ist dieselbe: Die Leute gehen nach Hause und denken genauso viel über den Prediger nach wie über den Abschnitt. Ständiges Reden über deine Familie, ein sorgfältiger Stapel von Erfolgsgeschichten aus deinem Dienst, Seitenhiebe gegen Kritiker und Worte, die mehr auf Cleverness als auf Klarheit abzielen, können Leute dazu bringen, Gottes Prediger mehr zu vertrauen als Gottes Verheißungen.

Bryan Chapell schreibt dazu: „Während Berichte von persönlichen Erfahrungen normalerweise die stärkste Zuhöreridentifikation in sich tragen, müssen solche Illustrationen gut ausgeglichen werden mit Material aus anderen Quellen, um den Vorwurf der Selbstbezogenheit zu vermeiden.“ Statt dein Ansehen in den Augen der Leute zu verbessern, mache Gott zum Helden.

4. Abschwächung des Evangeliums

Junge Prediger benutzen das Wort „Evangelium” zu häufig. Dies mag wie eine merkwürdige oder kleinliche Kritik klingen, aber hör mir erstmal zu. Ein großzügiger Gebrauch des Wortes „Evangelium“ in einer Predigt macht sie nicht evangeliumszentrierter als eine großzügige Verwendung des Wortes „'Merica“ jemanden zum Amerikaner macht. Es gibt hunderte Wege um zu beschreiben, was es bedeutet, Amerikaner zu sein, ohne das Wort zu wiederholen.

Vor einigen Jahren schlug mir ein gütiger und biblisch scharfsinniger Laienältester vor, dass meine Predigten sich verbessern könnten, wenn ich nach anderen Wege suchte, die Evangeliumszentriertheit zu preisen ohne das Wort „Evangelium“ zu benutzen. Zunächst fiel es mir schwer zu verstehen, was er meinte und ich fragte mich, ob er wirklich meine Predigten verstanden hatte. Doch er hatte sie alle nur zu gut verstanden. Dieser treue Mann schlug mir nicht Synonyme für „Evangelium“ vor; er schlug vor, dass es hunderte Wege gibt, die Botschaft eines Retters voll von Liebe, der sich selbst opferte um Sünder zu retten, zu erklären und zu erhöhen.

5. Ruderlose Auslegung

Wir alle haben das schon erlebt. Die Bibel aufschlagen, den Text vorlesen, ein paar andächtige Sätze dazu sagen und ein paar Planeten wie „Meine Sorgen“, „Meine Ideen“ und „Interessante Dinge, die ich über das Thema gedacht habe“ auf die Umlaufbahn des Textes schicken.

Echte Auslegung überlässt dem Text das Ruder der Predigt. Der Text lenkt die Predigt aus dem Dock heraus in das offene Meer der ursprünglichen Zuhörerschaft, der Auslegung und der Kontextualisierung. Er bestimmt die Richtung, die Struktur und sogar die Anwendung der Botschaft. Ein vom Text losgelöster Prediger ist ein ruderloses Schiff; ein Boot, krampfhaft auf der Suche nach Richtung und Fahrtziel.

Hier ist eine Beobachtung über Prediger: Je schlauer du bist, desto mehr bist du verleitet, ruderlos zu werden. Mit anderen Worten: Köpfe, die klüger und aufnahmefähiger sind, werden mehr mit dem Text konkurrierende Ideen haben während der Vorbereitung und dem Halten der Predigt. So erkläre ich mir Spurgeon, dessen Predigten zwar auf dem Text gründeten, christozentrisch und mutig waren, doch nicht zwingenderweise gute Beispiele von Auslegungspredigten waren. Doch er ist der Fürst der Prediger – ich bin es nicht. Du bist es auch nicht. Also greif nach dem Ruder und lass es nicht los, bis du fertig bist mit der Predigt.

6. Griff nach Humor

Ein Griff nach Humor ist eine beliebige Anmerkung, die kontextlos und ohne Verbindung zu sein scheint. Das passiert, wenn unsere Versuche, clever oder witzig zu sein, ablenken. Wir opfern Besonnenheit, um unsere Zuhörer zum Lachen zu bringen. Wir bereiten unsere Predigten vor mit der Annahme, sie müssten durch unsere Witze verbessert werden. „Lachen“, beobachtet John Piper, „scheint die Umkehr als Ziel von vielen Predigern ersetzt zu haben.“ Mach keinen Fehler: Es ist eine gefährliche Angewohnheit – eine, für welche insbesondere junge Prediger anfällig sind.

Predigtanfänger suchen sich meistens einen predigenden Jedi – einen Prediger, der durch Konferenzen, durch seine Gemeindegröße oder die Kirchengeschichte bekannt geworden ist – und versuchen seinen Stil zu imitieren. 

Während es eine normale Phase für die meisten jungen Prediger ist, sollten sie sich dieses Einflusses bewusst sein und wissen, dass es sich wahrscheinlich wie aus einer Konservendose anhören wird, wenn sie den Humor imitieren. Es gibt wenige Dinge, die einem Prediger schneller einen schlechten Ruf bringen als dass er nicht er selbst ist. Witzige Imitationen tragen den Duft von Unaufrichtigkeit in sich. Das heißt nicht, dass es keinen Platz für Humor in einer Botschaft gibt; im Gegenteil, es gibt Prediger, deren Botschaft etwas nahbarer wird durch eine Portion witziger Vorstellungskraft. Ich kann mich an Predigten erinnern, in denen ich ausgelassen lachen musste, um dann dadurch chirurgisch geöffnet zu werden für darauf folgende Sätze, die mich von Sünde überführt haben.

Wenn Humor weise und gut eingesetzt wird, ist er eine Gabe für die Gemeinde. Wenn du überlegst, ob es deine Gabe an die Gemeinde ist, fange an, dir folgende Fragen zu stellen: Bin ich privat witzig? Denkt jemand anders außer mir selbst, meiner Frau und meiner Mutter, dass ich witzig bin? Dein Humor auf der Kanzel sollte übereinstimmen mit deiner privaten Persönlichkeit. Verbessert mein Stil und meine Verwendung von Humor die Botschaft oder lenkt es davon ab? Ist der Gebrauch von Witz meinem Alter angemessen, oder untergräbt es mein Alter?

7. Feedbackphobie

Der Schlüssel für Wachstum als Prediger ist, Einschätzungen von anderen Leuten zu bekommen. Trotzdem ist es verwirrend, dass neue Prediger oft nur sehr widerwillig eine Feedbackkultur etablieren, um ihre Predigten zu verbessern und zu halten. Vielleicht ist es doch nicht so verwirrend. Ich meine, wer will gesagt bekommen, dass die zwölf bis zwanzig Stunden, die sorgfältig geschliffenen Worte, die Ideen, die das eigene Herz und die Seele erfüllt haben, am Ende weder inspiriert noch inspirierend waren? 

Beurteilung kann schmerzhaft sein, aber es ist ein guter Schmerz – von der Art, die du an dem Tag fühlst nachdem du wieder angefangen hast, Sport zu machen. Weniges wird dir mehr helfen, als Prediger schneller zu wachsen als eine kleine Gruppe von qualifizierten Leuten, die dir ehrliches Feedback geben. Habe keine Angst davor; stelle dich ihm. Ein wichtiger Aspekt der Beurteilung sollte die Predigtlänge sein. Beginne nicht damit, wie lange in deiner Gemeindetradition gepredigt wird („Ich bin charismatisch und wir predigen nun mal für eine Stunde!“). Beginne mit deinen Erfahrungen und deiner Begabung, wie sie dir von deiner Gemeindeleitung zugeteilt werden. Wenn du wie die meisten bist, denkst du, dass die dir zugeteilte Zeit kürzer ist als das, was du willst. Leb damit. Ein weiser Prediger hinterlässt bei Leuten das Gefühl, mehr hören zu wollen und weniger zu schlafen.

Andere (Schlag-)Gewohnheit?

Die Angewohnheit meines Bruders, mit seiner linken Hand zu schlagen, kam daher, dass er falsch angefangen hatte und so weitergemacht hat. Wenn der Artikel dir einige Bereiche gezeigt hat, in denen du dich verbessern kannst, ist nun die Zeit gekommen, auf die andere Seite zu gehen und von dort zu schlagen. Sei nicht entmutigt. Diese Fehler sind gewöhnlich für junge Prediger, und viele begabte Ausleger sind darüber gestolpert. Gott ist treu und hilft gerne denen, die sich ernsthaft wünschen, sein Evangelium zu verkündigen. Predigen ist schließlich Gottes Idee (1Kor 1,21). Dich zu berufen, mit all deinen Stärken und Schwächen, war auch seine Idee. Also vertraue ihm. Der Gott, der dich berufen hat zu predigen, ist in der Lage, dich zu gebrauchen.


Dave Harvey ist Präsident des Sojourn Network und Pastor der Summit Church in Fort Myers/Naples, Florida. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher (u.a. „Wenn Sünder sich das Ja-Wort geben”). Dieser Artikel erschien zuerst bei TheGospelCoalitionÜbersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.