Predige das Evangelium – und da es notwendig ist, gebrauche Worte

Es gibt eine bekannte Redensart, die oft von Christen wiederholt wird. Sie hat auf Facebook und Twitter viel Verbreitung gefunden. Vielleicht hast sogar du diese Worte wiederholt, die allgemein dem heiligen Franziskus von Assisi zugeschrieben werden: „Predige das Evangelium. Falls notwendig, gebrauche Worte“. Ich denke, wir können wertschätzen, was viele ausdrücken wollen, die so etwas sagen. Als Christen sollten wir auf solch eine Weise leben, dass unser Leben auf die Person und das Werk Jesu hinweist. Aber gute Absichten können nicht zwei grundlegende Probleme mit diesem Zitat und seinem angeblichen Ursprung beheben. Erstens, der heilige Franziskus hat es nie gesagt, und zweitens, das Zitat ist nicht biblisch.

Mark Galli hat darauf hingewiesen, dass es keine Aufzeichnung von Franziskus gibt, einem Mitglied des Predigerordens, wo er irgendetwas in dieser Art von sich gegeben hat. Ja, nach allem, was wir über den Mann wissen, müssen wir annehmen, dass er diesem Zitat gar nicht zugestimmt hätte. Er ist wohlbekannt für sein Predigen und er predigte bis zu fünfmal am Tag.

Der Gedanke hätte Franziskus wohl nicht angesprochen, wohl aber viele Menschen heute, für die ein wortloser Dienst ein überzeugender Ansatz ist. „Worte sind billig“, sagen wir gern, und „Taten sprechen lauter als Worte“. Galli erklärt, dass diese Einstellung sehr gut zu unserer Kultur passt:

„Predige das Evangelium; falls notwendig, gebrauche Worte“ geht Hand in Hand mit einer postmodernen Annahme, dass Worte letztendlich keine Bedeutung haben. Dadurch wird auf subtile Weise der hohe Wert geschmälert, den die Propheten, Jesus und Paulus dem Predigen beigemessen haben. Natürlich wollen wir, dass unsere Handlungen so weit es möglich ist unseren Worten entsprechen. Aber das Evangelium ist eine Botschaft – Nachricht über ein Ereignis und eine Person, von der die Geschichte des Planeten abhängt.

Und das ist das wirkliche Problem – nicht von wem das Zitat ursprünglich stammt, sondern wie es uns ein unvollständiges Bild vom Evangelium vermitteln kann und wie Gott Sünder rettet. Christen sind schnell damit, einander zu ermutigen „das Evangelium zu leben“ oder „das Evangelium für unseren Nächsten zu sein“. Der missionale Impuls dabei ist hilfreich, aber das Evangelium ist nicht etwas, das ein Christ ausleben, praktizieren oder werden kann.

Der Apostel Paulus fasste das Evangelium als das Leben, den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus zusammen, durch den Sünde gesühnt wird, Sünder mit Gott versöhnt werden und die Hoffnung der Auferstehung all diejenigen erwartet, die glauben. Das Evangelium ist keine Angewohnheit, sondern eine Geschichte. Das Evangelium ist eine Verkündigung von etwas, das wirklich passiert ist. Und weil das Evangelium das Rettungswerk von Jesus behandelt, ist es nicht etwas, das wir tun können, sondern etwas, das wir verkündigen müssen. Wir leben seine Implikationen aus, aber wenn wir das Evangelium bekannt machen wollen, dann müssen wir dazu Worte gebrauchen.

Es scheint, als ob der Fokus auf die Verkündigung in vielen Gemeinden zurückgeht, die sich selbst als evangelikal identifizieren. Aber die Verkündigung ist die zentrale Aufgabe der Gemeinde. Nein, es ist nicht die einzige Aufgabe, die Gott uns gegeben hat, aber sie ist zentral. Während der Prozess des Jüngermachens mehr umfasst als verbale Kommunikation, und sich natürlich das Leben eines Jüngers als falsch erweist, wenn es sich nur auf Worte reduziert, so ist doch die entscheidenste Aufgabe, die Gott der Gemeinde gegeben hat, die „Vortrefflichkeit unseres Retters zu verkünden“.

Ein gottesfürchtiges Leben sollte als Zeugnis dienen für die Botschaft, die wir verkündigen. Aber ohne Worte, worauf können unsere Handlungen dann verweisen außer auf uns selbst? Ein gottesfürchtiges Leben kann nicht die Menschwerdung, den stellvertretenden Sühnetod Jesu oder die Hoffnung auf Erlösung durch Gnade und Glauben allein kommunizieren. Wir können keine guten Nachrichten sein, aber wir können sie verkünden, singen, sprechen und predigen vor allen, die zuhören. Die verbale Kommunikation des Evangeliums ist das einzige Mittel, durch das Menschen in eine richtige Beziehung mit Gott gebracht werden. Der Apostel Paulus machte diesen Punkt gegenüber der Gemeinde in Rom klar, als er sagte:

Denn: "Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden". Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne einen Verkündiger? (Röm 10,13-14)

Wenn wir alle Völker zu Jüngern machen wollen, müssen wir Worte gebrauchen. Das Predigen macht den Gebrauch von Sprache notwendig. Lass mich uns ermutigen, das Evangelium zu predigen und Worte zu gebrauchen, weil das notwendig ist. Aber lass mich auch sagen, dass das Zustimmen zur Zentralität der Verkündigung nicht genug ist. Wir müssen von der Zustimmung zu diesem Gedanken zur effektiven Anwendung kommen. Lass mich uns ermutigen, Menschen zu sein, die nicht nur Worte des Evangeliums gebrauchen, sondern sie auf vier Weisen benutzen:

1. Lass deine Evangeliumsworte verständlich sein.

In unserem Bemühen, theologische Themen genau zu kommunizieren, müssen wir auch sicherstellen, dass wir verständlich reden. Wir wollen das biblische Evangelium auf eine kulturell zugängliche Weise verkündigen. Das macht es notwendig, sowohl theologische Begriffe zu definieren als auch die Sprache des Volks zu übernehmen, wo das angemessen ist. Ich finde es ironisch, dass manche, die die Puritaner lieben, teilweise die puritanische Praxis verraten, indem sie nicht „einfach“ sprechen. Evangeliumsworte sollten soweit wie möglich in der allgemeinen Sprache der Zuhörer geäußert werden. Wie sollen sie aber hören, wenn wir in einer anderen Sprache reden?

2. Lass deine Evangeliumsworte ernsthaft sein.

Wir kommunizieren, dass das Evangelium eine ernste Angelegenheit ist, weil es eine ernste Angelegenheit ist. Ich will damit nicht sagen, dass jeder das gleiche Temperament haben sollte, aber ich will sagen, dass die lebensrettenden „guten Nachrichten“ mit Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und Leidenschaft übermittelt werden sollten. Niemand hört der Verkündigung von ernsten Themen zu, wenn sie auf frivole Weise dargebracht wird. Wenn wir Christus predigen, brauchen wir Klarheit und Aufrichtigkeit.

3. Lass deine Evangeliumsworte außerhalb der Ortsgemeinde gehört werden.

Jünger zu machen heißt, das Evangelium an die Menschen weiterzugeben, die außerhalb der Gemeinde sind. Da wir glauben, dass das einzige gottgegebene Mittel, Menschen aus dem Reich der Finsternis in das Reich des Lichts zu versetzen, die Predigt von Evangeliumsworten ist, sollten wir dazu angetrieben sein, solche Worte an alle zu richten, die zuhören wollen. Als diejenigen, die von Gott gesandt sind (das sind wir), sollten wir die Evangeliumsgeschichte den unbekehrten Menschen in unseren Nachbarschaften, Schulen und Arbeitsplätzen erzählen.

4. Lass deine Evangeliumsworte in der Ortsgemeinde gehört werden.

Das Evangelium sollte in der Gemeinde gesprochen werden, da selbst die Erlösten zwischen den gegensätzlichen Versuchungen der Gesetzlichkeit und Gesetzlosigkeit hin und her schwanken können. Eines der wichtigsten Dinge, die ein Christ tut, ist es, Christen wieder zurück auf Jesus auszurichten durch die gute Nachricht des Evangeliums. Und wir müssen diese Evangeliumsworte in der Gemeinde sprechen, damit ungläubige Besucher, die unter uns sind, hören können, wie kostbar das Evangelium in unserem Leben bleibt, nicht nur als ein Wegpunkt auf unserer geistlichen Reise. Das Evangelium wird in der Gemeinschaft der Glaubenden gesprochen zu unserer Heiligung und zur Anbetung.

Das Evangelium verlangt Worte. Lasst uns also das Evangelium predigen und lasst uns Worte gebrauchen, da sie notwendig sind. Mögen es klare und kühne Worte sein, die diejenigen innerhalb und außerhalb der Gemeinde dazu aufrufen, Jesus nachzufolgen.


Dieser Artikel von Ed Stetzer erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.