Jesu Barmherzigkeit für die, die Pornografie lieben

Mehr als ein Jahrzehnt habe ich im Verborgenen mit einer Abhängigkeit von Pornografie gekämpft. Von 8 bis 18 Jahren habe ich heimlich meine Augen, meinen Verstand und mein Herz mit schandbaren Dingen gefüllt. Ich lernte es, meinen eigenen Körper zufriedenzustellen und suchte nach anderen, die das für mich tun. Letztlich habe ich Lust und einsames Vergnügen an einem schattenhaften, anonymen Altar angebetet.

Aber an der Wurzel wusste ich, dass ich leer war. Ich wusste, dass es erniedrigend war. Ich wusste, dass es kurzzeitig, nicht erfüllend und demoralisierend war. Ich fühlte mich leer von echter Liebe. Ich dachte nicht, dass ich würdig sei für irgendeinen Mann bevor er zuerst wüsste, dass ich sexuell wertvoll war.

Was meine Augen über Jahre aufgesogen hatten, hatte mein Herz in Gefühle der Unzulänglichkeit übersetzt, in Abhängigkeit von der Bestätigung anderer, die die gleichen perspektiventstellenden Dinge konsumieren.

Aber dann ist Jesus mit meiner Geschichte kollidiert.

Seine Barmherzigkeit

Mit 19 begegnete ich einem König, der direkt auf meine sexuelle Gebrochenheit, meinen Schmutz und entehrten Körper blickte und dann mein Herz auflas und mich erlöst nannte. Es war radikale Liebe, radikale Gnade, die alles veränderte. Genauso wie Jesus der Frau am Brunnen begegnete und ihr lebendiges Wasser anbot. Genauso wie er keinen Stein auf die schuldige Ehebrecherin warf.

Genauso wie er Rahab, die Hure, im Stammbaum des Messias gebrauchte – er traf mich bei meinem Umherirren. Die Tatsache, dass er sich mitten in meinen Dreck stellte – ausgestreckte und unverrückbare Barmherzigkeit – fing an, die Schuppen von meinen Augen wegzunehmen in meinem Verständnis, wie Gott auf sexuelle Sünde reagiert.

In der ganzen Schrift sehen wir, wie Jesus von Ort zu Ort reist und Mitleid mit den Bedrängten, den Kranken, den Lahmen und den Leidtragenden hat. Und in der ganzen Schrift sehen wir, wie seine Liebe und Barmherzigkeit mit ihrem Vertrauen kollidiert, eine wundersame und lebensverändernde Heilung zu bewirken.

Die Kultur, in der Jesus seinen Dienst ausführte, und die religiöse Kultur, in der wir jetzt leben, unterscheiden sich im Detail, sind im großen Ganzen aber unglaublich ähnlich. Eine Kultur, die von unrealistischen Erwartungen und rigiden Regeln geplagt ist, die von religiösen Führern durchgesetzt werden, wodurch zu Verhaltensänderung angetrieben wird statt zu einem erneuerten und ehrfürchtigen Herzen, das sich danach sehnt, Gott zu lieben. Und als Ergebnis waren – und sind – die Menschen niedergedrückt durch Schande, Schuld, Desensibilisierung und Ausgrenzung. Menschen, die voll von Regeln gepumpt sind, aber keine Anleitung zu dem größeren Warum haben, werden immer von Liebe dehydriert und von Verzweiflung, Süchten und Mangel an Richtung im Leben befallen sein.

Wir sehen in der Schrift einen schöneren Weg: „Als er aber die Volksmenge sah, empfand er Mitleid mit ihnen, weil sie ermattet und vernachlässigt waren wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36).

Jesus sah die Verzweiflung unreiner Herzen, die das Ausmaß ihrer eigenen Verdorbenheit noch nicht einmal kannten, und er war überwältigt von barmherzigem Mitleid. Seine Liebe für sie offenbarte die tiefe Barmherzigkeit Gottes – und da das die Herzenshaltung Jesu zu den Menschen damals war, muss ich glauben, dass es seinem Herzen entspricht gegenüber den Menschen heute.

Wir leben in einer Gesellschaft, die sich von unseren sündhaften Neigungen nährt, unserem leicht abhängig zu machenden Wesen und unserer Naivität. Wir, die Massen, werden schikaniert mit einem übermäßigen Ausgesetzsein von sexuellem Material. Wir werden getränkt mit konstantem visuellen Inhalt, der um die Loyalität und Zuneigung unseres Herzens kämpft. Und wir sind geblendet von den Bildern, die die klare Schau auf Gottes Verlangen nach Reinheit trüben. Wir sind Schafe, die keinen Hirten haben, abhängig von unseren Irrwegen.

Aber selbst hier begegnet Jesus uns mit Mitleid. Seine Gnade reicht uns Erlösung dar und weigert sich im gleichen Atemzug, uns so zu lassen, wie wir sind. Das Mitleid eines Gottes, der uns in unserem Schmutz sieht und uns reinwäscht, hat die Macht, unsere Perspektive zu verändern. Denn wenn wir den Heiligen Geist einladen, unser Leben zu reinigen und unseren Augen sensibel zu machen, dann ändert sein Wirken unsere Sicht.

Deine Sicht zurückgewinnen

Eine der zerstörerischen Auswirkungen des übermäßigen Ausgesetzseins von sexuellen Bildern ist, dass es die Weise ändert, wie wir über andere Menschen denken – weit mehr, als uns bewusst ist. Menschen werden zu Objekten; Menschen werden zu Körperteilen. Individuen, die im Ebenbild eines heiligen Gottes gemacht sind, werden letztlich zu Dingen, die wir gebrauchen, statt zu Personen, die wir lieben, wertschätzen und wahrnehmen. Und wenn wir den Punkt erreichen, wo wir andere für unsere sexuelle Erfüllung entmenschlichen können, schaden wir nicht nur anderen, sondern wir trocknen unsere eigene Seele aus.

Wenn wir die Wurzel so vieler unserer sexuellen Themen verstehen wollen, wären wir weise, wenn wir darauf Acht gäben, was wir sehen, anschauen, lesen, und wie wir desensibilisiert werden. Unser Gebet muss werden: Gott, schenke mir die Augen, um die Welt so zu sehen, wie du sie siehst. Dann erst werden wir darüber nachdenken, was wir in uns aufnehmen.

Wenn der nackte Mann auf deinem Bildschirm als ein Träger des Ebenbildes des Königs gesehen wird, der aus sexuellen Gründen ausgebeutet wird, dann ist deine Sicht erneuert.

Wenn die Sexszene in dem Film für einen weiteren billigen Versuch gesehen wird, von Seiten der Filmemacher mehr Geld zu verdienen, dann ist deine Sicht erneuert.

Wenn dir bewusst wird, dass die Sendung im Fernsehen über Ledige, die so ziemlich alles tun, um zu einer Beziehung zu kommen, so gar nicht wie eine reine und heilige und gottehrende Wirklichkeit aussieht, dann ist deine Sicht erneuert.

Aber vor allem, wenn du anfängst, die Schönheit von Gottes Plan für Sex zu sehen, dann fängst du an zu verstehen, warum sexuelle Sünde sein Herz bricht.

Wir sind in der Schrift aufgerufen, unsere Augen und Herzen streng zu bewahren. Mögen wir die Hingabe von David haben, der sich vornahm: „Ich will nichts Schändliches vor meine Augen stellen“ (Ps 101,3).

Wenn wir das sind, was wir sehen, dann sollten wir darum kämpfen, unsere Sicht zurückzugewinnen und unseren Blick auf die Dinge richten, die wahr und heilig sind (Phil 4,8). Mögen wir hinaufschauen zu Jesus – demjenigen, dessen Liebe die Macht hat, uns neue Augen, neue Herzen und eine neue Sicht auf eine Welt zu geben, die in Schmerzen liegt.


Mo Isom ist Autorin des Buchs Sex, Jesus, and the Conversations of the Church Forgot. Dieser Artikel ist davon ein Auszug. Sie bloggt unter moisom.com. Sie war in der Universität Torhüter im Team der Louisiana State University. Sie und ihr Ehemann, Jeremiah Aiken, leben mit ihren zwei Kindern in Atlanta Georgia. Dieser Artikel erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.