Eine bleibende Verpflichtung

Im Jahr 1792 veröffentlichte ein wenig bekannter Schuster ein Buch, in welchem er argumentierte, dass der große Missionsbefehl Jesu eine Verpflichtung für jede Generation von Christen bleibt. Innerhalb von zwei Jahren verließ der Verfasser, William Carey, sein heimatliches England und ging als Missionar nach Indien. Heute wird er als Vater der modernen Missionsbewegung erachtet.

Careys Buch Eine Untersuchung über die Verpflichtung von Christen, Mittel einzusetzen für die Bekehrung der Heiden ist eine der entscheidendsten Schriften in der Geschichte der Weltevangelisation. Der erste Abschnitt dieses kurzen Werkes fokussiert sich auf Jesu Worte in Matthäus 28,18-20: „Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“

Dies erscheint für uns heute klar, aber viele Christen im 18. Jahrhundert gingen vom Gegenteil aus: Nämlich, dass Jesus diese Verantwortung ausschließlich den ursprünglichen Aposteln gegeben hätte. Solch eine Denkweise unterminierte jedweden missionarischen Impuls.

Carey war von der üblichen Weisheit seiner Tage nicht überzeugt. Er und einige seiner engsten Freunde regten eine Neuauflage von Jonathan Edwards‘ A Humble Attempt an, welches ein Aufruf zum Gebet für Erweckung war, den der Pastor aus Neuengland und Anführer der ersten großen Erweckung im Jahr 1747 veröffentlicht hatte.

Im Jahr 1784 widmeten Andrew Fuller, John Sutcliff, John Ryland Jr. und William Carey jeden zweiten Dienstag eines Monats, um für „Erweckung wirklicher Religion und die Ausbreitung des Reiches Christi in der Welt“ zu fasten und zu beten. Später schloss sich ihnen ein fünfter Pastor an, Samuel Pearce.

Acht Jahre lang trafen sich diese Männer einmal im Monat, um zu fasten und zu beten. Am 2. Oktober 1792, im gleichen Jahr, in dem Carey sein Buch veröffentlichte, während sie sich im Haus der Witwe eines Diakons trafen, gründeten diese Männer die „Particular Baptist Society for the Propagation of the Gospel Amongst the Heathen“. Im nächsten Jahr segelte Carey nach Indien und verbrachte den Rest seines Lebens damit, Jesus Christus bei Menschen bekannt zu machen, die niemals zuvor das Evangelium gehört hatten. Er kehrte nie in sein Heimatland zurück.

Die moderne Missionsbewegung wurde durch eine frische Betrachtung und demütige Unterordnung unter den großen Missionsbefehl angestoßen. Carey argumentierte, dass diese Worte Jesu seinen Nachfolgern eine Verpflichtung auferlegen, die bis zum Ende der Geschichte bestehen bleibt.

Die Völker gehören Jesus Christus. Sie sind das Erbe, das ihm vom Vater gegeben wurde (Ps 2,8). Er hat sein Blut vergossen, um Menschen aus „allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen“ zu erkaufen (Offb 5,9).

Wie können wir gleichgültig bleiben, wenn wir mit dem Befehl unseres Herrn konfrontiert werden, statt hinzugehen und zu Jüngern zu machen? Es sind fast zweitausend Jahre vergangen, seitdem er uns diesen Befehl gegeben hat, aber die Verpflichtung ist noch nicht erfüllt worden.

Heutige Missiologen sagen uns, dass es noch fast sechstausend Bevölkerungsgruppen gibt, die insgesamt 1,5 Milliarden Menschen ausmachen und die so gut wie kein Evangeliumszeugnis in ihrem Umfeld haben. Und doch ist der Befehl des Herrn einfach und klar. Diese Verpflichtung verbleibt für uns als seine Jünger.

Wie Carey argumentierte, unterstreicht die Verheißung Christi das Ausmaß des Befehls. Seine Zusage bei seinen Jüngern „bis an das Ende der Weltzeit“ zu bleiben, zeigt an, dass sie daher ebenso verpflichtet bleiben, diesen Auftrag auszuführen, bis er zurückkehrt.

Jeder Christ hat die Verantwortung, Menschen zu Jüngern Jesu zu machen. Das heißt, wir sollten alle am Dienst der Evangelisation teilnehmen. Manche werden sich diesem Dienst auf direktere Weise widmen (wie Philippus, Barnabas, Paulus und die anderen Gemeindeleiter im Neuen Testament), aber alle sind verpflichtet, Bemühungen zu fördern und zu unterstützen, damit Ungläubige zum Glauben an Jesus Christus kommen.

Apostelgeschichte 8,4 sagt aus, dass die frühen Christen in ganz Judäa und Samarien aufgrund der Verfolgung in Jerusalem zerstreut wurden und sie „zogen umher und verkündigten das Wort des Evangeliums“. Vers 1 deutet an, dass es sich hier nicht um Leiter, sondern um ganz normale Mitglieder der Gemeinde handelte. Sie befolgten den Auftrag Christi, wo immer sie hingingen.

Die Gemeinde in Antiochien verspürte das Gewicht dieser Verpflichtung, als der Heilige Geist sie anwies, Barnabas und Paulus auszusenden, um Christus in fremden Städten zu verkündigen. Das hatte zur Folge, dass viele Menschen in Pamphylien und Galatien sich bekehrten. Wie auch bei den späteren Missionsreisen von Paulus wurden die neuen Jünger zu Gemeinden organisiert, die sich sogleich daran beteiligten, den großen Missionsbefehl zu erfüllen.

Hier sind wir, zweitausend Jahre später, und die Aufgabe ist noch nicht erfüllt. Es gibt immer noch Menschen, die gerettet werden müssen, und ganze Bevölkerungsgruppen, die noch nicht evangelisiert sind. Der Befehl unseres Herrn, zu Jüngern zu machen, bleibt, genauso wie seine Verheißung, mit uns zu sein, während wir das tun.

Die Verpflichtung, sich an diesem Werk zu beteiligen, bleibt für alle, die sich zum Namen Christi bekennen. Möge diese Generation von Gläubigen sich dieser Berufung treu erweisen.


Dieser Artikel von Tom Ascol erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.