Drei wunderschöne Früchte einer evangeliumszentrierten Gemeinde

Es ist in den letzten paar Jahren in Mode gekommen, über „Evangeliumszentrierung“ zu reden. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich schätze diesen Begriff. Nachdem ich Gemeinden erlebt habe, die eine sehr verkürzte Sicht des Evangeliums hatten (d.h. das Evangelium ist nur etwas, das mit der Bekehrung zu tun hat, nicht aber mit dem Rest des christlichen Lebens), bin ich erfrischt durch die Tatsache, dass Gemeinden wieder neu die heiligende Kraft des Werkes Jesu betonen.

Eine evangeliumszentrierte Gemeinde ist eine Gemeinde, die sich hauptsächlich auf das Werk Christi konzentriert. Sie erkennt, dass Jesu priesterlicher Dienst nicht nur mit unserer Rechtfertigung zu tun hat (der Akt des Gerechtwerdens vor Gott), sondern mit jedem Aspekt unseres Heils. In evangeliumszentrierten Gemeinden werden wir permanent an Gottes Initiative und Handlung uns gegenüber erinnert, was manche Theologen „vollbrachte Erlösung“ genannt haben. Es ist diese gute Nachricht, die die Gemeinde erschafft und aufrechterhält.

Hier sind drei Früchte einer evangeliumszenrierten Gemeinde:

1. Evangeliumszentrierte Gemeinden bringen Demut hervor.

Gott verurteilt Stolz in der ganzen Bibel. Ein arroganter Mensch macht sich zu einem Feind Gottes (Jak 4,6). Leider ist Stolz ein Unkraut, das in unseren Herzen wachsen kann, wenn wir es nicht sorgsam beschneiden. Moralistische Gemeinden bewässern oft unseren Stolz, weil sie sich auf menschlichen Erfolg konzentrieren. Wenn wir meinen, dass wir Gottes Norm erfüllen, fangen wir an, auf andere herabzublicken, die wir als weniger gehorsam einschätzen (Lk 18,11). Ironischerweise können wir sogar arrogant werden durch unser theologisches Wissen (1Kor 8,1). Das Evangelium ist wie Gottes Unkrauthäcksler, da es unseren Stolz in Stücke schreddert, indem es uns offenbart, wie sehr wir Gottes Norm verfehlen. Wir brauchen mehr als nur ein bisschen Hilfe hier und dort; wir brauchen, dass Gott zur Erde kommt und die Aufgabe übernimmt, bei der wir versagt haben.

Evangeliumszentrierte Gemeinden sollten radikal demütige Jünger hervorbringen, weil der Fokus immer auf unserem Bedürfnis und Gottes großer Gnade ist. Weil die Lösung außerhalb von uns liegt, haben wir keinen Grund, stolz auf uns selbst zu sein. Das ist genau das, worauf Paulus hinauswill, als er, nachdem er Gottes freie Rechtfertigung von Sündern besprach, schrieb: „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen! Durch welches Gesetz? Das der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens!“ (Röm 3,27)

2. Evangeliumszentrierte Gemeinden bringen Vielfalt hervor.

Leider ist diese Frucht des Evangeliums viel seltener, als sie in unseren Gemeinden sein sollte. Oft gehen wir in eine Gemeinde und finden eine Gruppe von wesensverwandten Menschen vor, statt eine Gemeinschaft, die durch das Evangelium begründet ist. Hier ist, was ich meine: In vielen unserer Gemeinden bringt uns nicht hauptsächlich Jesus und sein Evangelium zusammen, sondern gemeinsame Interessen. Das ist, was Mark Dever und Jamie Dunlop in ihrem hilfreichen Buch „The Compelling Community eine „Evangelium-Plus Gemeinschaft“ nennen. Wir sind hier wegen Jesus – plus, weil wir alle weiße Mittelständler, arme Hispanics oder Millenials sind, die auf Kopf und Herz hören. Wir müssen verstehen, dass unsere Gemeinden immer zu Gruppen von wesensverwandten Menschen werden, wenn wir nicht über die Implikationen des Evangeliums für vielfältige Gemeinschaften reden. Das Evangelium redet nicht nur zu einer Bevölkerungsgruppe; es redet zu Sündern. Sünde diskriminiert nicht, genauso wenig wie Jesus.

Wenn das Evangelium zentral ist für das Leben der Gemeinde, sollte sie Menschen aus allen Teilen des Lebens und allen kulturellen Hintergründen anziehen. Das ist eine Frucht, die wir in unseren Ortsgemeinden erstreben sollten, weil sie solch eine mächtige Zurschaustellung davon ist, wozu die gute Nachricht von Jesus imstande ist. Keiner ist überrascht davon, wenn eine Gruppe von Freunden sich zum Essen trifft; jeder ist jedoch überrascht, wenn zwei Menschen, die nichts gemeinsam haben – ja, die sogar Feindschaft gegeneinander hegen – sich hinsetzen, um gemeinsam Brot zu brechen. Unter den ersten Jüngern von Jesus war ein Mann, der die Regierung terrorisieren wollten (Simon der Zelot), zusammen mit einem korrupten Beamten, der heimlich mit der Regierung zusammenarbeitete (Levi der Zolleinnehmer). Aus weltlicher Sicht Todfeinde, wurden sie in die Gemeinde Jesu gebracht, um Seite an Seite zu dienen. Wenn die Welt diese süße Frucht des Evangeliums schmeckt, wird es ihr schwerfallen, seine Kraft zu leugnen.

3. Evangeliumszentrierte Gemeinden heißen Sünder willkommen.

Evangeliumsarme Gemeinden wissen nicht, was sie mit Sündern tun sollen. So viele von uns haben diese Art von Gemeinde erlebt, dass wir unsicher sind, ob es sicher für uns ist, vor anderen Christen wir selbst zu sein.

Ein deutscher Pastor namens Dietrich Bonhoeffer schrieb: „Die fromme Gemeinschaft erlaubt niemandem, ein Sünder zu sein. Deshalb muss jeder seine Sünde vor sich selbst und vor der Gemeinschaft verbergen. Wir trauen uns nicht, Sünder zu sein. Viele Christen sind entsetzt, wenn plötzlich ein wirklicher Sünder unter den Gerechten entlarvt wird. Deshalb bleiben wir mit unserer Sünde allein und leben in der Lüge und der Heuchelei“ (Gemeinsam Leben).

Wir leben in einer Welt, die verdienstgesteuert ist, wo Menschen nicht ehrlich über ihr Versagen reden können. Diese Kultur sickert manchmal in die Gemeinde ein, und wir können eine „fromme“ Gemeinschaft haben, die letztendlich auf Schein gebaut ist. Das Evangelium durchbricht diese falsche Frömmigkeit und erlaubt uns, ehrlich miteinander über unser Versagen zu sein. Es erlaubt uns, unsere Sünden ins Licht zu bringen, weil das Blut Christi uns reinigen und unsere Schande wegnehmen kann. Wenn wir aufhören vorzugeben, perfekt zu sein, können wir Menschen werden, die Sünder willkommen heißen, statt auf sie mit einer Einstellung „wir gegen sie“ zu blicken. Wir sind einer von ihnen, der aus Barmherzigkeit von Jesus reingewaschen wurde. Wenn wir eine Kultur der Transparenz und Abhängigkeit vom Evangelium bauen, helfen wir anderen Sündern zu sehen, dass es einen Gott gibt, der sich nicht vor ihnen fürchtet.


Dieser Artikel von Adriel Sanchez erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.