Die selige Wiederholung der Heilsgeschichte

Bild: Ligonier

Jeder liebt den Gedanken an einen neuen Anfang sowie den Gedanken an ein wohlgeführtes Leben. Diese zwei Gedanken bilden den Grundstein des Films Und täglich grüßt das Murmeltier, der eine der beliebtesten Komödien in der Geschichte Hollywoods ist. Obwohl man zunächst etwas frustriert ist, wenn man Bill Murray zusieht, wie er den gleichen Tag wieder und wieder verlebt, ermöglicht die Rekapitulation der Filmfigur doch, zu dem Mann zu werden, der er bisher nie war und der er sein muss, um den Segen eines wohlgeführten Lebens zu erlangen. Das fasst aus meiner Sicht den Gedanken der Wiederholung in der Schrift zusammen, wie er sich auf Jesus als das wahre Israel bezieht – der Eine, der die Geschichte Israels rekapituliert, um das zu tun, woran Israel immer gescheitert ist, und um den Segen eines wohlgeführten Lebens vor Gott zu erlangen.

Der Gedanke der Rekapitulation erscheint in der Schrift zuerst in dem Miniauszug, den Abraham während der Zeit seiner Wanderschaft erlebte. In 1. Mose 12,10-20 zog Abram hinab nach Ägypten, um einer Hungersnot zu entgehen, und er und seine Familie erlebten dort eine Art von Unterdrückung. Gott plagte daraufhin den König von Ägypten und brachte Abram aus Ägypten wieder heraus. Dies diente als Vorspiel für den großen Befreiungsakt, den Gott den Nachkommen Abrahams verhieß – dem Israel des alten Bundes – indem er sein Volk aus der Knechtschaft in Ägypten herausführte. Israel zog in den Tagen Josefs nach Ägypten hinab und erfuhr dort später Unterdrückung. In den Tagen Moses plagte Gott dann den König von Ägypten und führte sein Volk heraus mit großen Zurschaustellungen seiner souveränen Macht. Als die Propheten über die großen Werke Gottes reflektierten, ist dies das größte Ereignis, auf das sie unsere Sinne und Herzen weisen. Durch den Dienst von Hosea erinnert Gott Israel an diesen besonderen Befreiungsakt und seine Liebe, indem er spricht: „Als Israel jung war, liebte ich ihn, und aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Hos 11,1). Was Abraham geschehen war, geschah auch seinen Nachkommen.

Im nächsten Rekapitulationssakt nimmt Matthäus Hosea 11,1 und erklärt seine Bedeutung im Licht des Lebens und Dienstes von Jesus. Um vor dem unterdrückenden Zorn des Herodes zu fliehen, nahmen Maria und Josef den kleinen Jesus – den Sohn Abrahams – hinab nach Ägypten. Gott führte sie später wieder aus Ägypten heraus, um in dem Verheißenen Land zu leben (Mt 2,14-15). Das Israel des alten Bundes war Gottes geliebter Sohn in einem typologischen und gemeinschaftlichen Sinn (2Mo 4,22); Jesus ist Gottes geliebter Sohn in einem ewigen und spezifischen Sinn. Als Mose und Elia mit Jesus auf dem Berg der Verklärung erschienen, sagt uns Lukas, dass sie „redeten von seinem Ausgang [das griechische Wort für den Exodus im Alten Testament], den er in Jerusalem erfüllen sollte“ (Lk 9,31). Jesus musste Israels Geschichte nachvollziehen, um die geistliche Wirklichkeit herbeizuführen, die vom ursprünglichen Auszug versinnbildlicht wurde.

Matthäus zeichnet den Gedanken, dass Jesus das wahre Israel ist, im Laufe der überspannenden Struktur seines Evangeliums in viel größerem Detail nach. Er erklärt, dass Jesus hinab nach Ägypten zog, aus Ägypten heraufkam (Mt 2,13-15); durch das Wasser ging (3,13-17), in die Wüste (4,1—11) und auf einen Berg (Kapitel 5-7); er kam vom Berg herab (Kapitel 8); erfüllte das Königtum (12,1-4; 38-42); erfüllte den Prophetendienst (Kapitel 23); wurde durch seinen Tod am Kreuz ins Exil geschickt (27,32-56); und dann durch die Auferstehung wiederhergestellt (28,1-10). Jede Stufe von Israels Geschichte wurde im Leben und Dienst von Jesus nachvollzogen. Gott hatte Israel hinab nach Ägypten und aus Ägypten wieder heraufgeführt und dann durch das Wasser in die Wüste und zum Berg. Gott gründete Israel daraufhin als Königtum, sprach durch die Propheten, verbannte sie ins Exil und verhieß, sie zu Segen und Leben wiederherzustellen. Wieso haben wir eine klare Rekapitulation dieser Geschichte in der biblischen Aufzeichnung des Lebens Jesu? Die einfache Erklärung ist, dass Jesus kam, um all das zu tun, woran Israel gescheitert war. Er kam, um als der vollkommene Repräsentant seines Volkes zu leben. Er wurde als ein wahrer Israelit geboren, um das wahre und größere Israel Gottes zu sein. Er ist größer als Abraham (Joh 8,58); größer als Mose (Joh 5,46) und größer als David und Salomo (Mt 12,1-4.38-42). Er ist der größere Tempel (Mt 12,5-8) und der größte der Propheten. Jesus ist der Eine, der die Bundesflüche des Gesetzes anstelle seines Volkes auf sich nahm und der das Gesetz Gottes vollkommen hielt, um die Bundessegnungen Gottes für diejenigen zu erlangen, die mit ihm durch Glauben verbunden werden würden. Er wurde unter das Gesetz getan, als ein Israelit, und empfing das Zeichen des Bundes (Beschneidung), „damit er die, welche unter dem Gesetz waren, loskaufte“ (Gal 4,5).


Nicholas T. Batzig (@Nick_Batzig) ist Pastor der New Covenant Presbyterian Church in Richmond Hill, Georgia, und Redakteur von reformation21. Er bloggt unter Feeding on Christ. Dieser Artikel erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.