Die helfende Hand Gottes

Wer kennt solche Morgen nicht, an denen man nicht aufstehen kann? Manchmal macht der Körper vielleicht noch mit, aber geistlich liege ich am Boden. Alles ist Dunkel und manchmal hat die Dunkelheit gar keinen speziellen Namen - was es nicht leichter macht mit ihr umzugehen. Mein Verstand sagt mir, dass der Vater im Himmel helfen kann, aber das scheint heute nur eine theoretische Wahrheit zu sein, die in meinem Leben jetzt nicht Wirklichkeit werden kann.

Von meinen Aufgaben als Mutter und Hausfrau getrieben,  fängt mein Körper an, die täglichen Aufgaben abzuarbeiten. Mit wenig bis gar keiner Liebe.  Voller Hoffnungslosigkeit, versunken in Selbstmitleid.

Nach viel Streit und Hektik, bei dem ich nicht keinen Anteil hatte - um nicht das Wort „Schuld“  verwenden und dann aushalten zu müssen -  sind alle aus dem Haus. Nur ich bleibe zurück, mit noch mehr Hoffnungslosigkeit und meinem „theoretischen“ Glauben, der heute Morgen aber nicht trägt.

Eigentlich  steht  jetzt die Ausarbeitung  eines Vortrags für einen Frauenkreis auf meiner Tagesordnung , aber eine innere Stimme sagt mir: „Was hast du denn schon weiterzugeben!“

Da ich dem nicht widersprechen kann, entscheide ich mich dafür, eine Predigt anzuhören. Das Resultat ist, dass ich nach kurzer Zeit einschlafe.

Obwohl doch  eine leise Hoffnung da war, durch die Predigt wieder in Richtung einer lebendigen Hoffnung zu kommen, erliege ich meiner körperlichen und geistigen Schwachheit und das „Wachen und Beten“ fällt aus.

Geweckt durch einen Telefonanruf bleiben mir noch 15 Minuten der Predigt, die ich in einem einigermaßen wachen Zustand hören kann.

Der Prediger spricht davon, dass wir wie Petrus untergehen, wenn wir nicht auf den Herrn Jesus schauen, sondern auf den Sturm (Matthäus 14,22-33).

Das ist  eigentlich nichts Neues, aber irgendwie ist mir vor lauter Sturm die Kraft dieser Wahrheit verloren gegangen und mit ihr auch die Hoffnung. Durch die Worte der Bibel sortieren sich die wirren Gedanken in meinem Kopf, die es  so dunkel haben werden lassen. Mein Sturm bestand aus dem Kampf gegen Anschuldigungen  wie: „Du bist nicht genug! Wer könnte dich lieben? Schau dir an, was für einen furchtbaren Dienst du deiner Familie heute Morgen erwiesen hast,  ganz zu schweigen vom Dienst für den Herrn!“ Meine Sturm-Antworten waren: „Wie soll das auch gehen, wenn alle immer nur streiten und Unmögliches fordern und total undankbar sind! Mich trifft keine Schuld!“ Da war es – dieses Wort: „Schuld“, das  immer wieder mit lautem Anklagen bei mir mit einem Widerhaken festmachen wollte. Ich habe  in Gedanken oder auch mit Worten der Anschuldigung getobt und mich gewunden, um diesen Widerhaken  bei den anderen einhaken zu lassen.

Und jetzt, bei aller Klarheit über den Sturm, woher kommt der Friede? Meine letzten Worte haben den Blick doch nur auf den Sturm gelenkt.

Mir wird neu klar, das Geheimnis liegt im Schauen auf Christus. Wer er ist und was er getan hat, beschrieben in der Bibel. Der Sturm wird plötzlich still, als meine Antwort auf alle Anklage ist: „JA, ich bin schuldig! Aber Christus starb für mich, als ich noch Sünder war (Römer 5,6) und NICHTS kann mich trennen von der Liebe Gottes (Römer 8,38-39), wenn ich in Christus Jesus bin. Ich bin umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade (Römer 3,24).“ Und  plötzlich verstehe ich Paulus Wunsch, die Gläubigen mögen wachsen in der Gnade. Nicht, dass die Gnade Gottes für seine Kinder nicht immer gleich groß wäre, aber die Erkenntnis davon, was das für mich bedeutet, ist nie herrlicher als in Anbetracht der Tatsache, was aus mir kommt, wenn ich nicht die Rebe am Weinstock bin, sondern der alte Mensch zum Vorschein kommt. Einst war ich ein verlorener Sünder unter dem Zorn Gottes und allein aus Gnade darf ich errettet sein. Und wenn ich in Dankbarkeit auf diese unglaubliche Wahrheit schaue, dann verstehe ich Paulus  Aufforderung aus Philipper 4,4 viel besser : „Freuet euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freuet euch!“

Der Sturm will wieder beginnen, als die Sorge aufkommt, dass das ja alles heute Morgen in meinem Kopf schon bekannt war, aber trotzdem saß ich im Dunkel ohne Hoffnung und ohne die Fähigkeit das Licht wieder anzufachen. Da kommt mir folgender Vers zur Hilfe: „Da wir nun einen großen Hohen Priester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten! Denn wir haben nicht einen Hohen Priester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.“ ( Hebräer 4,14 )

Wie gut, dass der Herr den Sturm stillt und nicht ich.


Sabrina Gnädinger ist 41 Jahre alt und wohnt mit ihren Mann und vier Kindern (12, 10, 8 und 6 Jahre alt) in der Nähe von Stuttgart. Sie kam erst als erwachsene Frau zum Glauben und schon immer war es ihr ein Herzensanliegen ihren Glauben mit anderen zu teilen, da sie selber schon so oft dadurch ermutigt wurde, Einblicke in das Glaubensleben von Geschwistern zu bekommen und darin das Wirken Jesu zu sehen.