Der Kampf um die biblische Wahrheit

Antipathie gegen Gottes Wort wohnt im Herzen jedes Sünders. Diese Antipathie kann sogar da sein bei denen, die innerhalb der Kirche sind. Wenn darüber irgendein Zweifel bestehen sollte, dann ist es wert, die Frage zu stellen, warum es oft die größte Furcht der Kirche ist, nicht im Einklang mit der Kultur zu sein. Pastoren und Gemeindeleiter jagen der Kultur nach, sodass dieselben Trends in ihren Gemeinden auftauchen. Sie behandeln dieses Streben als eine notwendige evangelistische Strategie. Aber der einzige Weg, im Einklang mit der Kultur zu sein, ist die Gegenwart des Wortes Gottes zu mindern, weil eine nicht wiedergeborene Kultur immer fundamental und auf unversöhnliche Weise inkompatibel sein wird zu der Wahrheit Gottes. Durch die Ausrichtung der Gemeinde auf die Entkirchlichten oder die Unbekehrten wurde die Kirche durch eine Legion von fleischlichen PR-Beratern gekapert, die versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass Christen genauso inklusiv, pluralistisch und offen sein können wie jeder postmoderne, politisch korrekte Weltling.

Das wahre biblische Christentum verlangt jedoch eine Absage an jeden weltlichen Wert und deren Verhalten, und Christen müssen bereit sein, sich dem Wort Gottes zu verpflichten, mit einem vollen Verständnis der Folgen, die das mit sich bringt. Jesus sagt seinen Jüngern in Johannes 15,19 offen, dass die Welt sie hassen wird, weil sie nicht von dieser Welt sind. Gott hat die Gläubigen aus der Welt heraus erwählt und die Welt hasst sie. In Lukas 6,26 sagt Jesus: „Wehe euch, wenn alle Leute gut von euch reden! Denn ebenso haben es ihre Väter mit den falschen Propheten gemacht“ (Lk 6,26).

Warum beharrt die Welt so sehr in ihrer Feindseligkeit gegen die Wahrheit Gottes? Jesus sagt in Johannes 7,7: „Die Welt … hasst mich; denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind“. Verachtung für die Schrift ist nicht eine intellektuelle, sondern eine moralische Frage. Wie der Herr es Nikodemus erklärte: „Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse“ (Joh 3,19). Wie tragisch ist es, wenn die Kirche versucht, dieser weltlichen Abneigung entgegenzukommen, denn es ist unmöglich für irgendeine menschliche Methode, den Widerstand des Sünders gegen die Wahrheit und das Evangelium zu überwinden (2Kor 3,14). Die Kirche hat nur dann einen geistlichen Einfluss auf die Welt gehabt, wenn das Volk Gottes festgestanden und sich geweigert hat, Kompromisse zu machen, während sie die Wahrheit kühn im Angesicht der Feindseligkeit der Welt verkündigt hat. Am Ende wird das Streben nach kultureller Relevanz nur zu Veralterung führen, da die Generation von morgen unweigerlich die Moden und Philosophien von heute ablehnen wird.

Angesichts der sich ständig ändernden kulturellen Trends muss die Kirche freimütig die ewige Relevanz und fortwährende Anwendbarkeit des Wortes Gottes verkündigen. Menschen mögen der Bibel glauben oder nicht, aber niemand hat die Macht oder das Recht, die Wahrheit zu begründen oder zu ändern. Sie steht fest, ein für alle Mal – das Wort Gottes ist für immer im Himmel gegründet. Das ist absolut essenziell.

Gott schrieb ein Buch – nur ein Buch – und er war imstande, alles zu sagen, was er sagen wollte. Er redete ohne Fehler, ohne Makel und ohne etwas auszulassen oder unnötigerweise hinzuzufügen. Es ist die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Und Gott gab dieses Buch den Menschen durch das Mittel der Inspiration, durch die der Geist Gottes menschliche Autoren antrieb, genau die Worte niederzuschreiben, die Gott wollte.

Das ist eine wichtige Unterscheidung, die wir nicht übersehen dürfen – die Wahrheit kam nicht von den Menschen. Der Mensch kann sie entdecken, erlernen, verstehen und anwenden, aber er hat nichts mit ihrem Ursprung zu tun. Der Apostel Petrus – selbst einer der inspirierten biblischen Autoren – schrieb, dass die Schrift nicht durch den menschlichen Willen hervorgebracht wurde, sondern durch die, die „vom Heiligen Geist getrieben wurden“, die Worte Gottes niederzuschreiben (2Petr 1,21). Kein Mensch hatte jemals in sich selbst eine Vorstellung, Gedanken oder Erfahrung, die irgendeine göttliche Wahrheit bestimmte – es kommt alles von Gott. Kein Mensch oder Engel war jemals oder wird jemals die Quelle sein für die Begründung göttlicher Wahrheit. Es ist Gottes Wort allein.

Die Schrift selbst bezeugt ihren göttlichen Autor. Das Alte Testament enthält mehr als 3.800 Stellen, in denen die Schreiber von sich behaupten, das Wort Gottes zu reden. Im Neuen Testament gibt es mehr als dreihundert solcher Aussagen. Paulus behauptete, das Evangelium nicht von Menschen, sondern von Gott empfangen zu haben (Gal 1,11-12). In 1. Timotheus 5,18 zitiert Paulus das Lukasevangelium und bezieht sich darauf als Heilige Schrift. In 2. Petrus 3,15-16 nennt Petrus die Schriften von Paulus Heilige Schrift. Und Judas zitiert aus dem Petrusbrief und deutet damit ähnliche biblische Glaubwürdigkeit an. Zusammengenommen bezeugen das Alte und das Neue Testament ausgiebig, dass sie das wahre Wort Gottes sind.

Und als das Wort Gottes hat die Bibel kein Verfallsdatum. Petrus lobt die zeitlose Qualität der Schrift in seinem ersten Brief: „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit" (1Petr 1,24). Zeit hat keinen Einfluss auf das Wort Gottes. Noch wirken sich wechselnde Philosophien, Weltanschauungen und kulturelle Normen darauf aus. Es ist vollkommen unveränderlich und wird niemals vergehen. „Himmel und Erde werden vergehen“, sagte Jesus, „aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Lk 21,33).

Vielleicht der beste Weg, die objektive Wahrheit der Schrift zu verstehen, ist es, das Zeugnis desjenigen zu hören, der am vertrauenswürdigsten ist – der Herr Jesus selbst. Er bezeugte die Wahrheit von Gottes Wort bis aufs kleinste Detail. Er sagte: „Es ist aber leichter, dass Himmel und Erde vergehen, als dass ein einziges Strichlein des Gesetzes falle“ (Lk 16,17). Er lehrte beständig, dass er gekommen war, um das Wort Gottes zu erfüllen. In Matthäus 5,17 sagte er: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen!“ Er bekräftigte: „Es wird alles erfüllt werden, was durch die Propheten über den Sohn des Menschen geschrieben ist“ (Lk 18,31). Indem er auf das Kreuz vorausschaute, sagte Jesus: „Der Sohn des Menschen geht dahin, wie von ihm geschrieben steht“ (Mt 26,24). Später im gleichen Kapitel wies er Petrus zurecht, weil dieser sein Schwert zog und er erinnerte den ungestümen Jünger daran, dass er eine Legion von Engeln zur Hilfe rufen könnte, wenn er wollte. Indem er erklärte, dass seine Festnahme Teil von Gottes Plan war, sagte er: „Wie würden dann aber die Schriften erfüllt, dass es so kommen muss?“ (Mt 26,54) Er verwies sogar auf sehr spezifische prophetische Details in der Schrift. Psalm 22,2 sagte voraus, dass der Messias ausrufen würde: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Als er am Kreuz hing, sprach Jesus genau diese Worte (Mt 27,46). Sein Leben erfüllte alles, was von ihm geschrieben war, wodurch die Wahrheit der Schrift bestätigt wurde.

Die Schrift bezeugt ihre eigene Inspiration; sie ist das Wort Gottes, das seinen Ursprung außerhalb der Menschen hat. Das ist besonders wichtig zu verstehen in einer Kultur, die durch die Subjektivität der Postmoderne beherrscht wird. Wahrheit kann nicht subjektiv sein; es gibt nicht so etwas wie deine Wahrheit oder meine Wahrheit. Wahrheit steht für immer fest. Das authentische Christentum hat immer vertreten, dass die Schrift absolute, objektive Wahrheit ist. Die Bibel ist Gottes Wahrheit, egal, ob ein Mensch das glaubt, sie versteht oder es ihm gefällt. Sie ist beständige und universelle Wahrheit, und deshalb für jeden gleich. 5. Mose 4,2 und Offenbarung 22,18-19 warnen davor, der Schrift etwas hinzuzufügen oder von ihr etwas wegzunehmen, damit man nicht eine der Plagen erleidet, die in ihr geschrieben stehen. Sprüche 30,5-6 besagt: „Alle Reden Gottes sind geläutert; er ist ein Schild denen, die ihm vertrauen. Tue nichts zu seinen Worten hinzu, damit er dich nicht bestraft und du als Lügner dastehst!“ Es ist Gottes Wort an die Menschen; inspiriert, objektiv und absolute Wahrheit.

Wir müssen die Schrift nicht nur in Bezug auf ihre Objektivität akzeptieren, sondern auch in Bezug auf ihre Rationalität. Die objektive Offenbarung Gottes in der Schrift ist dazu gedacht, durch die normale Vernunft verstanden zu werden. Sie ist logisch, nicht widersprüchlich, und deutlich. Es gibt keine Fehler, Lügen oder unvernünftige Argumentationen. Es gibt wirklich keine logischen Widersprüche, auch wenn es aufgrund unserer menschlichen Begrenzungen Ungereimtheiten oder Paradoxien zu geben scheint. Aber letztlich gibt es keine Widersprüche in der Schrift, keine Fantasien, keine Ungereimtheiten und keine Mythen.

Das Wort Gottes enthält wirkliche Geschichte von wirklichen Menschen, die in normaler Sprache erzählt wird. Und die Schrift will auf die gleiche Weise verstanden werden, wie wir irgendetwas anders zu verstehen suchen – durch unseren Verstand. Wir gebrauchen unseren Verstand, um ein Mathematikproblem zu lösen, eine Bauzeichnung zu lesen oder eine Krankheit zu diagnostizieren. Auf die gleiche Weise wird die Schrift durch die normalen Muster der Vernunft verstanden. Sie wird durch die Vernunft verstanden, nicht durch mystische Intuitionen oder eine Epiphanie.

Das bedeutet nicht, dass es nicht eine geistliche Komponente gibt, wenn es darum geht, die Bibel zu verstehen. Wie Paulus in 1. Korinther 2,14 sagt: „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss“. Der natürliche Mensch ist nicht von Neuem geboren und sein Sinn ist immer noch durch die Knechtschaft der Sünde verfinstert. Es ist das erleuchtende Werk des Heiligen Geistes, das rettenden Glauben und Buße bringt. Während also ein wahres Verständnis der Schrift in all ihrer Fülle den Gläubigen vorbehalten ist, kommt auch der Gläubige nur zu diesem wahren Verständnis durch die normalen Pfade der Vernunft. Gleichermaßen ist der nicht wiedergeborene Mensch verantwortlich dafür, dass er nicht an Gott glaubt, weil ihm Beweise für Gottes Existenz gegeben wurden, die seinen normalen Vernunftskräften entsprechen (Röm 1,18-20). Der Mensch steht unter Gottes Zorn, weil er nicht dem normalen Pfad der Vernunft und des Gewissens folgt, um Gott als seinen Schöpfer, Gesetzgeber und Richter zu erkennen. Egal, was die Welt behauptet, es ist viel vernünftiger und rationaler, an Schöpfung als an Evolution zu glauben. Der Mensch ist schuldig vor Gott, weil er nicht den Pfad der gottgegebenen Vernunft zur offensichtlichsten Wirklichkeit des Universums folgt – Gott.

Die Rationalität der Schrift hat auch Implikationen für die Gläubigen. Wir sind aufgefordert, Gottes Wort durch die Vernunft zu verstehen. In Nehemia 8 stand Esra auf und las die Schrift vor dem Volk für einen halben Tag und erklärte ihnen die Bedeutung. In Kapitel 7 lernen wir, dass Esra die Schriften las, sie studierte, sie auslebte und sie dann verkündigte. Er verstand die Bedeutung der Schrift, bevor er sie anderen erklärte. Das ist ein wichtiger Punkt, weil so viele Christen glauben, dass die wahre Bedeutung der Schrift auf einen Menschen durch irgendeine Intuition oder Erfahrung hereinbricht. Sie versuchen, die rationale Wahrheit von Gottes Wort durch irrationale Mittel zu entschlüsseln.

Das ist ein weiteres Gebiet, in dem die Kirche es sich nicht leisten kann, diese sterbende Welt nachzuahmen oder ihr nachzujagen. J.P. Moreland beschreibt auf anschauliche Weise die Gefahren, vor denen eine Kultur steht, wenn sie den Verstand und kritisches Denken aufgegeben hat: „Wir schauen in den Lauf einer geladenen Waffe können es uns nicht länger leisten, zu handeln, als ob sie mit Platzpatronen geladen ist“. Er fährt fort:

Unsere Gesellschaft hat Helden durch Berühmtheiten ersetzt, das Streben nach einem reifen Charakter durch das Streben nach einem flachen Bauch, Substanz und Tiefe durch Image und Persönlichkeit. Im politischen Prozess ist derjenige, der die Schminke aufträgt, wichtiger als derjenige, der die Rede schreibt, und wir wählen nicht auf Grundlage einer begründeten Philosophie darüber, was der Staat sein sollte, sondern mit einem Herzen voller Bilder, Emotionen und Slogans, die alle in 30-sekündige Tonfetzen verpackt sind. Der vernunftlose, irrationale Schund, der die Talksendungen im Fernsehen erfüllt, wird von Millionen von gelangweilten, einsamen Bürgern aufgesogen, die hungrig nach so etwas sind.

Was Moreland beschreibt, ist die massive Welle von Antiintellektualismus, die so viel von unserer heutigen Gesellschaft erfasst hat. Tragischerweise hat sie auch die Kirche überschwemmt. Heutzutage haben viele bekennende Christen kein Interesse daran, das Wort Gottes tiefgründig zu studieren und ziehen stattdessen Erleuchtung und Lehre durch andere Mittel vor. Manche übernehmen die Rituale heidnischer Religionen, während andere einfach warten, bis sie die hörbare Stimme des Herrn vernehmen oder intuitive, mentale Eindrücke vom Heiligen Geist empfangen, um die Bibel zu interpretieren.

Dieser mystische Ansatz, Gott und seine Wahrheit zu erkennen, ist durch und durch irrational. Das Streben nach privater, subjektiver Interpretation leugnet in Wirklichkeit sowohl die Objektivität als auch die Rationalität von Gottes Wahrheit. Es leugnet auch die Genugsamkeit seines inspirierten Wortes, indem es davon ausgeht, dass wir mehr wissen müssen als das, was Gott in die Schrift platziert hat. Am Ende führt diese antiintellektuelle Suche nach Wahrheit oft zu der Art von Chaos, die die charismatische Bewegung beherrscht. Für andere führt es zu Enttäuschung, Verzweiflung und Glaubensabfall.

Gott hatte einen Plan, als er uns die Fähigkeit für rationales Denken gab. Wenn wir ihn erkennen und verstehen wollen, was er in seinem Wort offenbart hat, müssen wir die Schrift rational interpretieren. Wir müssen dem normalen Prozess der Logik und der Vernunft folgen, in Verbindung mit einer gesunden Hermeneutik, um zu einem wahren Verständnis ihrer Bedeutung zu gelangen. Die Rationalität der Schrift ist in Wirklichkeit ein großer Segen. Sie bedeutet, dass es im Gegensatz zu einer Vielzahl von schwer zu fassenden, verstreuten, subjektiven Interpretationen einen festen, konsistenten Sinn im Wort Gottes gibt, den jeder mit einer begründeten Gewissheit erkennen kann.


Dieser Artikel von John MacArthur erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.