Aus dem Bauch der Jungfrau

Die Jungfrauengeburt Jesu ist ein wichtiger Teil der Weihnachtsbotschaft. Diese Lehre wird oft auf die Prophezeiung in Jesaja 7,14 bezogen. Aber diese Bibelstelle kann schwierig zu verstehen sein. Was hat sie ursprünglich bedeutet? Wie passt sie in den Kontext des Alten Testaments? Und wie hat Christus sie erfüllt? Lasst uns Jesaja 7,14 kurz ansehen – einer der Schlüsseltexte, der von der Jungfrauengeburt redet – und wie er sich auf das Werk Jesu bezieht.

Wir fangen mit dem alttestamentlichen Kontext an, der viele Bündel hat, die es zu entwirren gilt. In Jesaja 7 wird der Prophet Jesaja zum König Ahas von Juda gesandt, um ihm aufzutragen, ein Zeichen von Gott zu erbitten (Verse 10 und 11). Das würde ein Zeichen von Gottes Fürsorge sein im Angesicht der möglichen Zerstörung Israels durch Syrien. Obwohl das Bitten um ein Zeichen von Gott oft mit einem Mangel an Glauben verbunden wird, befiehlt Gott hier, dass Ahas ihn um ein Zeichen bittet. In diesem Fall drückt das fehlende Bitten um ein Zeichen den Mangel an Glauben beim König aus (Vers 12). Statt auf eine politische Allianz mit Assyrien zu vertrauen (siehe 2. Könige 16,1-9), wurde Ahas dazu angehalten, auf den Gott zu vertrauen, der über die Nationen herrscht. Ahas‘ Weigerung, auf das prophetische Wort zu hören und Gott zu vertrauen, führte schließlich zu der bienenschwarmartigen Invasion durch die Assyrer (Jes 7,17-25).

Obwohl Ahas nicht um ein Zeichen von Gott bat, wurde ihm dennoch ein Zeichen gegeben. Dies wird in Jesaja 7,14 berichtet: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben“. Gott selbst wählte das Zeichen aus – die Geburt eines besonderen Kindes. Ist es nicht vollkommen klar, welches Kind hier gemeint ist. Ist es Hiskia? Oder einer der Söhne Jesajas? Aber dass das Kind von Gott als ein Zeichen für Ahas kommt, ist sicher.

Was weniger sicher ist, ist, ob die junge Frau, die hier erwähnt wird, tatsächlich eine Jungfrau war. Manche haben argumentiert, dass der hebräische Begriff, der in Jesaja 7,14 mit „Jungfrau“ übersetzt wird, nicht das gebräuchlichere Wort für Jungfrau ist, und sich einfach auf eine junge Frau beziehen kann, die noch kein Kind gehabt hat. Manche haben deshalb behauptet, dass Jesaja nicht von einer Jungfrauengeburt spricht.

Dieser Einwand ist jedoch übertrieben. Jesaja hat eine Jungfrau im Sinn. Der Begriff, den Jesaja für eine junge Frau gebraucht, bezieht sich im Alten Testament konsequent auf eine Jungfrau. Ferner übersetzt die griechische Übersetzung des Alten Testaments (die Septuaginta) den hebräischen Begriff unmissverständlich, indem sie das griechische Wort für „Jungfrau“ gebraucht. Schließlich bestätigt das Zeugnis des Neuen Testaments, dass Jesaja 7,14 eine Jungfrauengeburt meint (Mt 1,22-23).

Dieses verheißene Kind wird als Immanuel identifiziert. Dieser Titel bedeutet „Gott mit uns“ und muss im Kontext von Gottes Bund verstanden werden. Immanuel mag ermutigende Weihnachtslieder heraufbeschwören. Aber im Kontext von Jesaja ist Immanuel eine Warnung an Ahas, der Gottes Wort ablehnte. In seinem Fall war Immanuel kein Segen, sondern ein Fluch und eine Warnung für Ahas, umzukehren. Das ist die Art und Weise, wie Gottes Bünde funktionieren: Gott legt uns Segen und Fluch vor und wir müssen im Glauben antworten, um den Segen zu erlangen.

Zusammengefasst war das Kind, welches Jesaja dem Ahas verhieß, ein Zeichen von Gottes Bundestreue und eine Kritik an Ahas‘ Treulosigkeit. Gott würde sein Volk nicht im Stich lassen. Gott selbst ist unsere Hilfe und Zuflucht, und wir dürfen unser Vertrauen und unsere Hoffnung nicht woandershin richten.

Die Prophezeiung durch Jesaja hat eine unmittelbare Erfüllung – bevor das Kind aufwuchs, löste sich die politische Koalition, vor der Ahas sich fürchtete, in Luft auf (Jes 7,16). Aber das Kind, welches ein Zeichen für Ahas war, weist voraus auf eine größere Erfüllung. Es ist unklar, ob das Immanuelkind von Jesaja 7,14 in den Tagen von Ahas eine wundersame Geburt hatte, aber er war gewiss ein Zeichen von „Gott mit uns“, zum Segen oder zum Fluch. Das blickt voraus auf das größere Kommen von Jesus, der gewisslich von einer Jungfrau geboren wurde und als Sohn Gottes „Gott mit uns“ ist. Wie in Jesaja 7,14 bringt die Bundesgegenwart von Jesus unter uns die Möglichkeit von Segen oder Fluch, abhängig davon, ob wir uns zu ihm wenden oder ihn ablehnen.

Die Geschichte von König Ahas sollte uns warnen und ermutigen. Sie sollte Gottes Bundesvolk vor den Gefahren warnen, das Wort Gottes abzulehnen. Ahas opferte anscheinend sogar seinen eigenen Sohn im Feuer (2Kö 16,3; 2Chr 28,3). Aber sie sollte uns auch ermutigen, dass Gott sein Volk nicht im Stich lassen wird. Er verhieß, ein Kind zu senden, der andauernden Frieden für Gottes Volk bringen und das Böse überwinden würde, das sich im Herzen von Ahas – und in unseren eigenen Herzen – zeigt. Der letztendliche Immanuel ging durch die Feuertaufe des Leids (Lk 12,49-50), was in seinem Opfertod gipfelte. Doch wurde er zu neuem Leben erweckt, damit er für immer Gott mit uns sein würde.


Dieser Artikel von Brandon Crowe erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.