Als Gemeinde heilig werden

Noch nie habe ich gesehen, dass auf einer Pastorenkonferenz ein Seminar mit dem Titel „Heilige Gemeinden gründen“ angeboten wurde.  Ich vermute, das kommt daher, weil wir uns nicht dafür anmelden würden.

Das heißt nicht, dass wir nicht die Wichtigkeit von Heiligkeit verständen. Aber darüber zu reden, fühlt sich unangenehm an und wir haben eine Liste von praktischen Dingen, bei denen wir Hilfe benötigen. Also gehen wir lieber zu den Seminaren „Missionale/Kontextuale oder sonstige Gemeinden gründen“.

Angesichts der Priorität der Heiligkeit in der Lehre der Schrift über die Gemeinde sollten wir jedoch mehr darüber reden als wir es tun.

Unausweichliche Heiligkeit

Heiligkeit hat ihren Ursprung in Gott; sie beschreibt seine vollkommene, majestätische Transzendenz. Heiligkeit ist, wie wir die Kluft zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung beschreiben. Die Engelwesen beschreiben ihn als „heilig, heilig, heilig“ (Jes 6,3). Gottes Heiligkeit ist atemberaubend, aber auch furchteinflößend. Sie sollte uns zitternd machen.

Paulus unterstreicht das Ziel des Todes Christi, der den Zorn Gottes trug: „Damit er sie sich selbst darstelle als eine Gemeinde, die herrlich sei, so dass sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei“ (Eph 5,27).

Heiligkeit ist der Status der Gemeinde, aber die Apostel betonen auch unsere Berufung, diese neue Identität auszuleben. Petrus sagt: „Ihr sollt heilig sein in eurem ganzen Wandel“ (1Petr 1,15). Paulus sagt den Ephesern, dass sie „auserwählt sind, damit [sie] heilig sind“ (Eph 1,4).

Und das Erstaunliche ist, dass durch die Einheit mit Christus die Heiligkeit, die uns einst abgestoßen hat, uns nun anzieht. In ihm wird das Streben nach Heiligkeit nicht länger furchteinflößend, sondern freudebringend.

Ein heiliges Leben entzweit uns unweigerlich von der Welt. Die Form unseres Dienstes anzupassen, um unnötige Barrieren für das Evangelium zu entfernen (was man „Kontextualisierung“ nennt), ist wichtig. Aber wir müssen dennoch unsere Besonderheit als „Salz der Erde und Licht der Welt“ bewahren.

Egal wie kontextualisiert unser Dienst ist, egal wie begabt du als Pastor oder Leiter bist: Wenn du der Bibel treu sein willst, wirst du im Konflikt mit der Welt stehen. Deine Werte werden als prüde erachtet werden, deine Ethik als regressiv und deine Botschaft als töricht (wenn nicht sogar als gefährlich).

Im Folgenden sind vier Aspekte, wie man als Ortsgemeinde Heiligkeit verfolgen kann:

1. Definiere ein besonderes Volk

In den frühen Phasen einer Gemeindegründung ist das wesentlich. Aber es gilt sogar noch mehr für etablierte Gemeinden, denn es ist immer wichtig, eine robuste Ekklesiologie zu festigen.

In Gemeindegründungen gibt es oft eine amorphe Gruppe von Menschen, die sich diese „neue Sache“ mal anschauen wollen. Manche werden Christen sein, die sich im Dienst für Jesus engagieren wollen, manche werden interessierte Skeptiker sein, manche exzentrische Gemeindehopper und manche (hoffentlich) Nichtchristen.

Wer von diesen Menschen hat sich öffentlich mit Christus identifiziert und sich der Mission dieser Gemeinde angeschlossen? Wer von ihnen hat eingewilligt, sich Ältesten unterzuordnen, und für wen müssen deine Ältesten beim Jüngsten Gericht Rechenschaft geben (Hebr 13,17)? Um es anders auszudrücken: Wovon wirst du sie ausschließen, wenn sie in unbußfertiger Unheiligkeit beharren?

Ein besonderes Volk zu definieren wird dabei helfen, die herauszustellen, die zu Christus gehören, und die, die nicht zu ihm zählen. Es ist weder hilfreich noch gottesfürchtig, die Linien zu verwischen.

2. Mach dir eine besondere Anbetung zu eigen

Im Laufe der Kirchengeschichte hat das Volk Gottes sich zum Gottesdienst versammelt, wobei die genaue Form sich je nach Zeit und Kontext unterschieden hat. Unabhängig davon sollte die Sprache, die von vorn gebraucht wird, verstehbar sein für die, die nicht mit dem Christentum vertraut sind (1Kor 14,25). Dennoch müssen wir uns daran erinnern, dass, wenn wir uns versammeln, um dem lebendigen Gott zu begegnen, wir das zu seinen Bedingungen tun. Gottesdienste sollten so wenig wie möglich wie die Welt aussehen und klingen.

Wir versammeln uns, um Sünde zu bekennen, Gott zu preisen, seinem verlesenen und gepredigten Wort zuzuhören, zu beten und die Ordnungen der Taufe und des Abendmahls zu feiern. Du kannst diese Dinge nicht spannend machen für Menschen, die nicht von Neuem geboren sind; versuche es also erst gar nicht.

3. Verkündige eine besondere Botschaft

Die westliche Kultur ist gekennzeichnet von sowohl Optimismus als auch Pessimismus. Die Technologie entwickelt sich und wir werden innovativer – und doch gibt es hier in London unzählige Menschen, die Medikamente gegen Depression nehmen.

Unverhohlenes Verkündigen des Evangeliums wird Sünde und Leid in all seinen Formen ansprechen. Die Realität der Sünde und des Gerichts widerspricht dem säkularen Narrativ des Fortschritts, während die Hoffnung der Erlösung und der freien Gnade durch das vollbrachte Werk Christi Hoffnung bietet im Angesicht der Verzweiflung.

In unserem Kontext erleben es die Menschen, wie ihre säkularen Boote auf Grund laufen, egal ob intellektuell oder emotional, und wir sehen, wie Menschen wieder offener werden, die Bibel zu lesen.

4. Zeige eine besondere Einheit

Es gibt keine vereinigende Kraft, die mächtiger ist, als die Gnade des Evangeliums. In unserer zunehmend gespaltenen Gesellschaft, in der die Menschen gespalten sind entlang von kulturellen, politischen und sozioökonomischen Linien, bietet die Gemeinde eine alternative Vision des Lebens.

In London gibt es etwas zutiefst Besonderes, wenn Menschen aus verschiedenen Hintergründen sich dazu entschließen, zum Leben der anderen beizutragen. Die Menschen nahmen es wahr, als ein junges Ehepaar mit Berufserfahrung einer alleinerziehenden Mutter aus einem anderen Land dabei half, eine Webseite zu erstellen, um Arbeit zu finden. Und als die Frau in die sozialen Kreise des Ehepaars eingeladen wurde, begannen die Menschen, Fragen zu stellen.

Diese Vision auszuleben ist nicht einfach. Es benötigt Gebet und Demut. Aber als das ausgesonderte Volk Gottes ist es schaffbar.

Indem wir auf den Tag sehen, wenn die Braut Christi ohne Makel sein wird, lasst uns Gemeinden gründen, die in zunehmendem Maß von der Schönheit der Heiligkeit gekennzeichnet sind, auf dem ganzen Weg zur Herrlichkeit.