Eine biblische Theologie von Gemeindezucht

Artikel von 9MarksMinistries und Bobby Jamieson
1. Februar 2018

Für manche Christen scheint Gemeindezucht der ganzen Form der biblischen Geschichte zu widersprechen. Geht es beim Evangelium nicht darum, dass Jesus Zöllner und Sünder aufgenommen hat? Drehen wir nicht die Uhr zurück und setzen die Gläubigen wieder unter das Gesetz, wenn wir anfangen, Menschen aus der Gemeinde aufgrund gewisser Sünden auszuschließen?

In diesem Artikel möchte ich diese Intuition in Frage stellen, so sanft und so gut ich kann, indem ich aufzeige, wie Gottes Zucht seines Volkes ein integraler Bestandteil des ganzen Handlungsstrangs der Bibel ist, vom Garten Eden bis zur neuen Schöpfung. Wir werden diese Geschichte in sechs Schritten beleuchten und mit drei Schlussfolgerungen abschließen.

1. Der Garten Eden weist nach Osten

Am Anfang war Gottes Volk genau da, wo Gott sie haben wollte, und sie waren genau das, was Gott haben wollte. Gott schuf Adam und Eva. Er brachte sie zu ihm und vereinte sie. Er setzte sie in den Garten, den er für sie gemacht hatte. Er wandelte mit ihnen und redete mit ihnen von Angesicht zu Angesicht (1Mo 1,26-28; 2,4-25).

Aber das hielt nicht an. Adam und Eva sündigten und Gott erließ über sie eine Art Todesstrafe und verstieß sie. Er trieb sie weg nach Osten, aus dem Garten heraus und weg von seiner Gegenwart (1Mo 3,1-24).

Östlich von Eden sank die ganze Menschheit so tief in Sünde, dass Gott das ganze Menschengeschlecht durch die Flut zerstörte, ausgenommen einer einzigen Familie (1Mo 6-8). Nach der Flut und dem Neuanfang der Menschheit stieg ihr gesammelter Stolz so hoch, dass Gott ihre Sprachen durcheinanderbrachte und sie auf der ganzen Erde verteilte (1Mo 10-11).

2. Züchtigung in der Wüste

Um die Dinge wiederherzustellen, berief Gott Adam. Gott versprach ihm in einem Bund eine Nation und einen Namen, wobei er verhieß, dass alle Nationen durch ihn gesegnet werden würden (1Mo 12,1-3). Und Gott hielt seine Versprechen, obgleich nicht immer auf die offensichtlichste Weise. Er gewährte Abram Nachkommen und vermehrte sie, was Abrams neuen Namen berechtigte, Abraham (1Mo 17,5). Aber dann schickte er diesen Nachkommen eine Hungersnot und später sandte er sie nach Ägypten, wo er sie schließlich in Knechtschaft fallen ließ. Zu dieser Zeit waren sie so fruchtbar und hatten sich so vermehrt, dass sie das Land erfüllten (2Mo 1,7).

Als Gott Abrahams Nachkommen aus der Knechtschaft befreite, verurteilte er ihre Geiselnehmer mit unerbittlicher Strenge. Er plagte ihr Land, exekutierte ihre Erstgeborenen und ertränkte ihre Armee (2Mo 3-14). Aber dann benötigte Gottes Volk selbst Züchtigung. Trotz der atemberaubenden Werke, die Gott vor ihren Augen ausgeführt hatte, glaubten sie nicht und beschwerten sich. Sie weigerten sich, zu vertrauen, dass der Gott, der ihre Ketten zerbrochen hatte, ihre Mägen füllen könnte (2Mo 16-17; 4Mo 11). Sie weigerten sich, zu vertrauen, dass der Gott, der den Pharao überwunden hatte, es mit ihren Feinden aufnehmen könnte (4Mo 11).

Also lehrte Gott es ihnen und wies sie zurecht. Er sorgte für sie und strafte sie. Er gab ihnen Brot, welches verdarb, sobald es gehortet wurde, damit sie lernten, ihm für ihr tägliches Brot zu vertrauen (2Mo 16,13-30). Er verurteilte diese Generation dazu, in der Wüste zu sterben, und gestattete nur ihren Kindern, in das Verheißene Land zu kommen – die Kinder, von denen die Israeliten dachten, dass Gott sie nicht vor ihren Feinden würde schützen können (4Mo 14,13-38).

An der Schwelle zum Verheißenen Land fasste Mose die Lehren zusammen, die sie aus dieser göttlichen Züchtigung beim Auszug aus Ägypten und in der Wüste ziehen sollten:

So sollst du nun den HERRN, deinen Gott, lieben, und seine Ordnung, seine Satzungen, seine Rechtsbestimmungen und Gebote halten allezeit. Und ihr sollt heute erkennen - denn nicht mit euren Kindern rede ich, die es nicht kennen und nicht gesehen haben - ihr sollt die Zucht des HERRN, eures Gottes erkennen, seine Majestät und seine starke Hand und seinen ausgestreckten Arm, und seine Zeichen und Werke, die er mitten in Ägypten an dem Pharao getan hat, an dem König Ägyptens, und an seinem ganzen Land; und was er getan hat an der Heeresmacht der Ägypter, an ihren Rossen und Wagen, da er die Wasser des Schilfmeers über sie hinfluten ließ, als sie euch nachjagten, und wie sie der HERR austilgte, bis zu diesem Tag; und was er in der Wüste an euch getan hat, bis ihr an diesen Ort gekommen seid; auch was er Dathan und Abiram tat, den Söhnen Eliabs, des Sohnes Rubens, wie die Erde ihren Mund auftat und sie verschlang samt ihren Familien und Zelten und ihrem ganzen Anhang, inmitten von ganz Israel. Ja, eure Augen haben all die großen Werke des HERRN gesehen, die er getan hat. (5Mo 11,1-7)

Gott züchtigte sowohl Ägypten als auch Israel, aber mit einem wichtigen Unterschied: Gottes Züchtigung von Ägypten endete in ihrer Zerstörung; seine Züchtigung von Israel endete in ihrer Belehrung. Gott strafte einzelne Menschen in Israel, um das Böse aus Israel auszurotten. Gott strafte auch das ganze Volk, aber durch diese Züchtigung lehrte er sie, zu vertrauen und zu gehorchen. Gott gab ihnen seine Zehn Gebote, um sie „zu unterweisen“, damit ihr Leben auf seinen Willen eingestellt würde (5Mo 4,36). Er prüfte sie in der Wüste und sorgte für sie so, wie nur er es konnte, damit sie nur ihm vertrauen würden (5Mo 8,1-4). Die Lektion? „So erkenne nun in deinem Herzen, dass der HERR, dein Gott, dich erzieht, wie ein Mann seinen Sohn erzieht“ (5Mo 8,5).

Gott erzieht sein Volk, damit sie lernen, nicht auf sich selbst zu vertrauen und anderen Göttern nachzulaufen, sondern alles in ihm zu suchen und zu finden.

3. Der mosaische Bund: Züchtigung um Zerstörung abzuwenden

Gott führte sein Volk in das Verheißene Land, trieb ihre Feinde aus und gründete sie dort. In dem Bund, den Gott mit Israel durch Mose am Berg Sinai schloss, machte er sie nicht nur zu einem Volk, sondern zu einer Nation (2Mo 19,5-6). Er gab ihnen ein Gesetz, das nicht nur dazu gedacht war, ihren Gehorsam zu gewährleisten, sondern das ihre ganze Gesellschaft bestimmen sollte. Unter dem mosaischen Bund zog Gott Israel aufgrund dieses Gesetzes zur Rechenschaft und er autorisierte die menschliche Regierung Israels, solche Sanktionen aufzuerlegen, die einem Bundesbruch entsprachen. Falsche Propheten wurden hingerichtet (5Mo 13,1-5), genauso wie Götzendiener (5Mo 13,6-18; 17:2-7). Gottes Ziel dabei, sein Volk zu autorisieren, Götzendiener hinzurichten, war, „das Böse [oder die böse Person] aus deiner Mitte auszurotten.“ Gott ordnete Israel an, das Krebsgeschwür des Götzendienstes chirurgisch zu entfernen, damit es keine Metastasen bilden konnte und somit tödlich enden würde.

Im mosaischen Bund gebrauchte Gott auch andere Zuchtmittel. Wenn das Volk nicht gehorsam war, drohte er mit Krankheit und Niederlage (3Mo 26,14-17). Wenn sie nicht umkehren würden, versprach Gott weitere „Züchtigung“ in Form von Zerstörung ihres Landes und dem Brechen ihrer Kraft (3Mo 26,18-20). Und es lagen noch andere, schauderhaftere Konsequenzen in Wartestellung, wenn das Volk in seiner Rebellion beharren würde (3Mo 26,21-39; die „Züchtigung“ in den Versen 23 und 28).

Diese ganze Züchtigung hatte das Ziel, die Katastrophe des Exils abzuwenden. Gott züchtige sein Volk, um sie vor einem noch größeren Gericht zu bewahren.

Um zusammenzufassen, wo Israel unter dem mosaischen Bund stand: Gott sammelte sein Volk. Er brachte sie zu einem Ort, den er für sie bereitet hatte und pflanzte sie dort ein (2Mo 15,17). Er wohnte unter ihnen in seinem Bundeszelt und später in seinem Tempel (2Mo 29,45-46; 40,34-38; 1Kö 8,10-12). Er wandelte unter ihnen (3Mo 26,12).

Klingt das bekannt? Das sollte es. Israel war ein neuer Adam, in einem neuen Garten Eden, mit einem Versuch, gehorsam zu sein und andauernde, enge Gemeinschaft mit Gott zu bewahren.

4. Das Exil: Züchtigung als Vergeltung, zur Wiederherstellung

Aber Israel vermasselte diesen Versuch. Im Laufe von hunderten von Jahren und dutzenden Warnungen der Propheten lehnte das Volk beständig Gott ab und verweigerte sich gegen seinen Willen. Also setzte Gott irgendwann die Sanktionen des Bundes um, erst über Israel im Norden, dann über Juda im Süden (siehe 3Mo 26; 5Mo 28; 2Kö 17,1-23; 25,1-21).

Weil Israel sich weigerte, Gott zu vertrauen, ihn anzubeten und ihm zu gehorchen, verurteilte er sie mit einer Art Todesstrafe (3Mo 28,38; 5Mo 4,27). Er verbannte sie. Er trieb sie weg nach Osten, aus seinem Land und weg von seiner Gegenwart.

Der Prophet Jeremia beschreibt die Strafe des Exils als Züchtigung. Diese Strafe ist Vergeltung, ja, aber sie hat auch als Ziel die Wiederherstellung:

Darum fürchte dich nicht, du, mein Knecht Jakob, spricht der HERR, und erschrick nicht, Israel! Denn siehe, ich will dich aus einem fernen Land erretten und deine Nachkommen aus dem Land ihrer Gefangenschaft, und Jakob wird zurückkehren, ruhig und sicher sein, und niemand wird ihn aufschrecken! Denn ich bin mit dir, spricht der HERR, um dich zu erretten; denn ich will allen Heidenvölkern, unter die ich dich zerstreut habe, ein Ende machen; nur dir will ich nicht ein Ende machen, sondern dich nach dem Recht züchtigen; doch ganz ungestraft kann ich dich nicht lassen. (Jer 30,10-11; siehe 46,28)

Das Exil von Israel und Juda ist Strafe, gerecht und angemessen (siehe Hos 7,12; 10,10). Aber sie hat als Ziel nicht Zerstörung, sondern Wiederherstellung. Gott wird die Nationen vernichten, die sein verstreutes Volk beherbergt haben, aber sein eigenes Volk hat immer noch diese Hoffnung: „Ich bin mit euch, euch zu retten.“ Genauso wie Gott den Pharao niederwarf und gleichzeitig sein Volk erlöste und züchtigte, so verheißt Gott hier die Zerstörung der Nationen und gleichzeitig Befreiung durch Züchtigung für sein Volk.

Ephraim klagt im Exil: „Du hast mich gezüchtigt, und ich bin gezüchtigt worden wie ein ungezähmtes Rind! Bringe du mich zur Umkehr, so werde ich umkehren; denn du, HERR, bist mein Gott!“ (Jer 31,18). Und Gott wird dieses Gebet erhören.

Gott verheißt vollständige und endgültige Zerstörung den Nationen, die ihn missachten. Aber Gott züchtigt sein Volk mit der Zerstörung des Exils, um sie zur Gemeinschaft mit ihm, zu Buße und zu Heiligkeit wiederherzustellen. Aber wie?

5. Ein neuer Bund, neue Kraft, neue Züchtigung

Der mosaische Bund verlangte Gehorsam, verlieh aber nicht die Kraft zu gehorchen. Der Neue Bund würde genau das tun:

Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloss an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der HERR. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: "Erkenne den HERRN!" Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR; denn ich werde ihre Missetat vergeben und an ihre Sünde nicht mehr gedenken! (Jer 31,31-34; siehe 32,37-41; Jes 54,13; Hes 11,16-20; 36,22-36; 37,15-28; 39,25-29)

Was das Gesetz nicht vollbringen konnte, erreicht der Neue Bund: das Gewährleisten von Gehorsam aus ganzem Herzen bei dem ganzen Volk Gottes.

Wie wird dieser Neue Bund eingeführt? Durch den Sühnetod Christi, seine Auferstehung und die lebensspendende Gabe des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Der Neue Bund schenkt neue Kraft. Gottes Volk ist nun ein neues Volk, neugeboren und bewohnt vom befähigenden Heiligen Geist. Gottes Volk spiegelt nun echt und charakteristisch, wenngleich unvollständig, den Nationen die Herrlichkeit Gottes wider.

Dieser Neue Bund mit neuer Kraft kommt auch mit neuer Züchtigung. Gott erzieht immer noch sein Volk durch Verfolgung und schwierige Fügungen, wobei er uns der Welt entwöhnt und uns auf seine Verheißungen wirft (Hebr 12,5-11). Gott züchtigt immer noch sein Volk für Sünde, selbst bis zu dem Punkt, dass er sie tötet (Apg 5,1-11; 1Kor 11,27-31). Das Ziel ist, wie vorher, dass wir schlussendlich dem Gericht entgehen werden, wenn wir Gottes Züchtigung befolgen: „Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht samt der Welt verurteilt werden“ (1Kor 11,32).

Aber er schenkt auch neue Mittel, um die Reinheit seines Volkes zu bewahren. Zusätzlich zu den inneren Ressourcen, die wir durch den Geist haben, schenkt Gott die äußerliche Unterstützung durch Rechenschaft in der Gemeinde. Nun werden diejenigen, die von sich behaupten, Gottes Volk zu sein, aber deren Leben im Widerspruch dazu steht, gewarnt, ersucht, eindringlich gebeten und, wenn nötig, von der Mitgliedschaft in der Gemeinde ausgeschlossen (Mt 18,15-17; 1Kor 5,1-13; 2Kor 2,5-8; Tit 3,10-11).

Unter dem Neuen Bund werden Götzenanbeter nicht hingerichtet, sondern ausgeschlossen. Die Kirche setzt die Gewalt der Schlüssel ein, nicht die Gewalt des Schwertes. Und, wie bei Gottes Züchtigung von Israel in der Wüste, im Verheißenen Land und im Exil, ist das Ziel nicht Zerstörung, sondern Buße und Wiederherstellung. Paulus nennt den Ausschluss aus der Gemeinde eine „Bestrafung“ (2Kor 2,6). Aber diese Bestrafung zielt auf Transformation: erneute Buße und folglich erneute Gemeinschaft mit Gott und seinem Volk.

Wir sollten nicht die Verbindung zwischen der Neuheit des Bundes und dieser neuen Form der Züchtigung übersehen. Die neutestamentliche Lehre über Gemeindezucht geht davon aus, dass die Mitglieder der Gemeinde Glauben an Christus von sich bekunden, und dass ihr Leben dieser Bekundung typischerweise entspricht. Wenn das Leben einer Person ihr Bekenntnis fundamental unterminiert, dann ist die neutestamentliche Antwort nicht: „Naja, die Kirche ist ein gemischter Leib. Gläubige und Ungläubige werden bis zum Jüngsten Gericht gemeinsam in der Kirche sein, wie Weizen und Unkraut.“

Das Feld, in dem Gläubige und Ungläubige bis zum Jüngsten Gericht zusammen verbleiben ist nicht die Gemeinde, sondern die Welt (Mt 13,38). Gemeindezucht schützt nicht nur die Reinheit der Kirche; sie setzt die Reinheit der Kirche voraus. Das heißt, die neutestamentliche Lehre über Gemeindezucht setzt voraus, dass die Kirche aus den Menschen besteht, die einen Glauben an Christus glaubwürdig bekunden: das heißt, diejenigen, die bekunden, Jesus zu vertrauen und deren Leben, entsprechend unserer besten Fähigkeit das zu unterscheiden, diese Bekundung bekräftigt und nicht widerlegt.

6. Vollendung: Keine Züchtigung mehr, aber eine finale Trennung

Bis Christus zurückkommt, leben wir in einer Zwischenzeit. Gottes Volk wird durch seinen Neuen Bund befähigt, den Verheißungen zu vertrauen und den Geboten zu gehorchen – aber noch nicht vollständig. Gottes Gemeinden sollten aus Menschen bestehen, die Christus glaubwürdig bekunden – und doch erweisen sich manche Bekenner als falsch (1Joh 2,19).

Aber an diesem letzten Tag wird Gottes Volk keine Züchtigung mehr benötigen. Wir werden Christus von Angesicht zu Angesicht sehen und wir werden sein wie er (1Joh 3,1-2). Gott züchtigt sein Volk hier und jetzt – ob durch die formative Zucht von Lehre und Ausbildung, die korrigierende Zucht von Zurechtweisung oder Ausschluss oder die Zucht der Vorsehung in Form von Verfolgung und Bedrängnis – um uns Christus gleichzugestalten. Und eines Tages wird diese Transformation abgeschlossen sein.

Aber an diesem Tag wird Gott auch eine finale Trennung machen. Er wird einen unumkehrbaren Ausschluss bewirken. Genau wie Adam und Eva aus dem Garten Eden verbannt wurden, wie Israel aus dem Verheißenen Land verbannt wurde, so werden alle, die Christus nicht vertrauen und folgen, alle, die in der Sünde beharren, von Gottes neuer Schöpfung ausgeschlossen werden, für immer:

Glückselig sind, die seine Gebote tun, damit sie Anrecht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen können. Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut. (Offb 22,14-15)

Gelernte Lektionen

Was lehrt uns die Geschichte von Gottes Züchtigung seines Volkes? Von den vielen Lehren, die wir daraus ziehen könnten, möchte ich drei auswählen.

Erstens, diesseits des Jüngsten Gerichts ist jeder göttliche Züchtigungsakt dazu gedacht, sein Volk zu reformieren und zu erneuern. Diesseits des Jüngsten Gerichts ist das Gericht niemals endgültig.

Im Laufe der langen und wechselhaften Geschichte Gottes mit seinem oft eigenwilligen Volk hat er häufig Züchtigung gebraucht, um uns aus unserem sündhaften Stumpfsinn wachzurütteln. Das Ziel dabei war jedes Mal Buße und geistliche Erneuerung. Gleichermaßen, wenn wir jemanden von der Gemeindemitgliedschaft ausschließen, sprechen wir nicht das letzte Urteil über ihn, sondern eine Warnung, was passieren könnte. Jemand von der Mitgliedschaft auszuschließen spricht nicht das letzte Urteil, sondern versucht, es abzuwenden. Wenn wir jemanden ausschließen, müssen wir weiterhin für seine Buße, Erneuerung und Wiederherstellung arbeiten, beten und hoffen.

Zweitens, selbst wenn er sein Volk züchtigt, unterscheidet Gott zwischen ihnen und der Welt. In Jeremia verheißt Gott den Nationen ein vollständiges Ende; aber seinem Volk verheißt er einen neuen Anfang. Das ist eine zeitliche Vorschau auf ewige Wirklichkeiten. Alle, die sich Gott widersetzten, werden ein „vollständiges Ende“ in der ewigen Bestrafung erfahren; alle, die auf Christus vertrauen, werden den ewigen Neuanfang in der neuen Schöpfung erleben.

Drittens, Gott „züchtigt uns zu unserem Besten, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden“ (Hebr 12,10). Gottes Züchtigung ist gut für uns; sie zielt auf ein Gut, welches viel größer ist als das, womit wir uns oft zufriedengeben. Wir müssen permanent daran erinnert werden, dass harte Fügungen nicht bedeuten, dass Gott ein hartes Herz hat. Wenn Gott harte Mittel benutzt, sollten wir uns an unser Herz erinnern und nicht Gott anklagen. Nur ein Pressluftbohrer spaltet Beton.

Liebe ist nicht immer nett, Güte lässt nicht immer alles durchgehen und Toleranz ist nicht immer eine Tugend. „Nein“ ist oft das Liebenswerteste, das ein Elternteil oder ein Pastor oder eine Gemeinde sagen kann. Und wenn auf dieses Nein nicht gehört wird, dann ist es nicht grausam, sondern liebend, Gottes Beispiel zu folgen und Gottes Instruktionen zu befolgen, indem man jemanden züchtigt, in der Hoffnung, dass er am letzten Tag gerettet wird.


Bobbie Jamieson ist Mitpastor der Capitol Hill Baptist Church in Washington, DC. Er ist Autor der Bücher Understanding Baptism und Understanding the Lord’s Supper. Du kannst ihm auf Twitter folgen. Dieser Artikel erschien zuerst bei 9Marks Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.