Der Friede, nach dem wir uns alle sehnen

Artikel von Stephen Nichols
20. Dezember 2017
Bild: Ligonier

Um die Weihnachtsgeschichte zu verstehen, müssen wir zurückschauen. Nicht nur ein paar Jahrtausende zurück zur Geburt Jesu, sondern ganz zurück zu unseren ersten Eltern, Adam und Eva. Gott setzte sie in den üppigen und perfekten Garten Eden. Sie hatten alles, was sie brauchten. Es war perfekt. Dann sündigten sie. Als Folge davon verbannte Gott sie. Nun lebten Adam und Eva unter dem Fluch. Aber so wie Gott den Fluch aussprach, vom Himmel donnernd, so gab er auch eine Verheißung.

Gott gab Adam und Eva die Verheißung eines Samens, ein Same, der von einer Frau geboren werden würde. Dieser Same würde alles, was falsch war, wieder richtigmachen. Er würde alles, was zerbrochen war, wieder ganzmachen. Dieser Same würde Frieden und Harmonie bringen, wo Streit und Konflikt wie ein stürmisches Meer tobten.

Im Alten Testament spricht das dritte Kapitel des allersten Buchs, der Genesis, von Konflikt und Feindschaft. Adam und Eva, die nur die Erfahrung der Ruhe und des Friedens kannten, würden von nun an in einem erbitterten Konflikt stecken. Selbst der Boden würde eine Herausforderung sein. Die Dornenstacheln würden eine ständige Erinnerung sein. Wie die Dichter sagen, die Natur ist roh mit Zähnen und Krallen. Selbst der verheißene Same würde an diesem Konflikt beteiligt werden, indem er mit der Schlange, dem großen Verderber, kämpft. Aber Genesis 3 verheißt, dass der Same die Schlange überwinden, den Endsieg sichern und Wellen des Friedens herbeibringen würde.

Vom Beginn der Genesis an und durch die Jahrhunderte hinweg, die auf den Seiten des Alten Testaments berichtet werden, erwuchs die Verheißung dieses Samens wie ein Morgengrauen, welches die Nacht durchbricht. Der Prophet Jesaja fasst all diese Verheißungen und Erwartungen zusammen: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter“ (Jes 9,6a).

Schließlich erschien der verheißene Same. In einer Wintersnacht in der kleinen Stadt Bethlehem, die sich wenig südlich von Jerusalem im Lande Israels befindet, kam dieses Kind, das der Retter und König sein würde. Er war anders als alle anderen Söhne der Menschheitsgeschichte. Erstens, weil alle anderen Söhne in der Geschichte leben und sterben. Dieser lebte, starb und erstand wieder auf. Und in seinem Wiederauferstehen überwand er Sünde, Tod, Sorgen und Traurigkeit. In den Worten einer alttestamentlichen Prophezeiung: „[Er] wird aufgehen und Heilung wird unter [seinen] Flügeln sein“ (Mal 3,20).

Der Same war auch anders, weil er, obwohl er völlig und wirklich Mensch war, doch nicht nur Mensch war. Wir müssen hier etwas erklären. Er war der Gottmensch, völlig Mensch und völlig Gott. Wenn du dir deshalb am Kopf kratzen musst und etwas verwirrt bist, dann bist du in guter Gesellschaft. Theologen haben damit seit Jahrtausenden gerungen. Der Apostel Paulus drückte es so aus: „Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9). Christus ist der Gottmensch, Gott und Mensch miteinander verbunden. Dies ist das selige und herrliche Geheimnis.

Weil Jesus Christus der Gottmensch ist, kann er das vollbringen, was all diese anderen Söhne nicht vollbringen konnten. Er kann unsere Sünde und unser Elend beenden. Er kann sowohl die stürmischen Meere stillen sowie das Aufschäumen von Streit und Konflikt. Er kann die stillen, ruhigen Wasser des Friedens herbeibringen. Er kann uns für den Garten wiederherstellen, aus dem Adam und Eva verbannt wurden. Wie der Dichter John Milton erklärte: Jesus Christus, unser Same, gewinnt das Paradies zurück, welches wir verloren hatten.

Sünde wurde im Garten empfangen, schlägt in jedem menschlichen Herzen Wurzeln und hat tragische Früchte in der Menschheitsgeschichte gebracht. Aber Gott ist barmherzig. Er gab Adam und Eva Söhne. Sünde war da und verdarb diese Beziehung, wodurch ein Sohn tot zurückblieb und ein anderer schuldbeladen und auf der Flucht. Aber Gott war barmherzig und gab einen weiteren Sohn, Seth. Und gab noch mehr Söhne, weitere Zeichen der Hoffnung auf die Verheißung des Samens, der kommen würde, um ungeschehen zu machen und richtigzustellen, was Adam und Eva falsch gemacht hatten. Aber keiner dieser Söhne konnte es richtigstellen. Keiner dieser Söhne trug den Titel „Friedefürst“. Gott hat das für uns getan, indem er seinen einzigen Sohn gab. Durch diesen Sohn wird alles wieder richtiggestellt. Friede ist gekommen, denn der Friedefürst ist gekommen und regiert.

Jesus Christus, geboren von Maria, geboren in Bethlehem, geboren am Weihnachtsmorgen, bringt dauerhaften und endgültigen Frieden auf Erden. Der Friede, nach dem wir uns sehnen, wird in Christus gefunden.


Dieser Auszug entstammt dem Buch Peace: Classic Readings for Christmas von Stephen Nichols. Er erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.