Drei rote Linien

Artikel von Stephen Nichols
14. August 2017

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Naturwissenschaften angeblich schlauer als die Bibel. Jetzt sind die Sozialwissenschaften angeblich schlauer als die Bibel. Wir sehen diese neue Weltanschauung auf kunstvolle und unterhaltsame Weise permanent in den Medien und in den Hallen der Gelehrsamkeit zur Schau gestellt. Ein sorgloser Zuschauer und Zuhörer wird mit zahllosen homosexuellen, bisexuellen und Transgender-Personen, Handlungen und Vorstellungen in Berührung gebracht – ohne jemals die Mainstreammedien zu verlassen. Das sind die Zeiten, in denen wir leben (siehe TheStateofTheology.com).

Diese Herausforderungen haben einen kumulativen Effekt. Sie werden zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Die Produzenten und Vermarkter dieses Materials wollen nicht nur Raum für diese, aus biblischer Sicht, abnormalen Ansichten schaffen, sondern auch ihre Anhängerschaft vergrößern. Sie wollen jeden mundtot machen, der sich ihnen in den Weg stellt. Sie wollen jeden bekämpfen, der sagt: „Was du vermarktest und tust, ist falsch.“

Das Gute an diesen aktuellen Herausforderungen an die Bibel ist, dass sie ein großes Maß an Klarheit notwendig machen für die entscheidende Frage, die sich uns als Christen stellt: Wird unsere Autorität das Wort Gottes sein? Oder werden es die Empfindlichkeiten unserer Zeit sein? Wird es die Bibel sein? Oder wir selbst?

Diese neuen Herausforderungen werfen drei Fragen auf, über die wir nachdenken müssen. Die Erste bezieht sich darauf, wie uns diese Sache persönlich angeht. Werden wir durch all den moralischen Verfall unterschwellig selbst beeinflusst? Oder anders gefragt: Haben wir die Linie neu gezogen, weil unsere Kultur die Linie abschaffen will?

Die zweite Frage bezieht sich auf uns als größeres Gebilde, als Leib Christi. Werden wir unsere biblischen Überzeugungen weiter halten angesichts zunehmenden Drucks und möglicher Verfolgung? Sei auf der Hut vor Leitern, die „neu durchdenken“ wollen, was die Bibel sagt oder wie wir die Bibel auf die aktuellen Situationen und Kontexte anwenden. Wir müssen die Wahrheit der Vergangenheit neu bekräftigen. Wir müssen neu orthodoxe (altkirchliche) und historische Theologie und Bibelverständnis bekräftigen. Aber wir dürfen nie die biblische Lehre neu durchdenken wollen. Wir ziehen es ja auch vor, wenn unser Chef die Entscheidung, uns anzustellen, neu bekräftigt, anstatt sie durchdenken zu wollen. Die Sprache des Neu-Durchdenkens bzw. Umdenkens oder Sich-Anpassens sollte bei uns Alarmglocken auslösen. Wenn du sie läuten hörst, dann lauf.

Auf der anderen Seite müssen wir uns solidarisch hinter diejenigen Leiter stellen, die für biblische Überzeugungen eintreten. Wir müssen uns mit Kirchen solidarisch zeigen, die für biblische Überzeugungen stehen. Dies ist eine Zeit für Grenzen. Grenzen helfen uns, zu wissen, wer nicht zu uns gehört. Aber Grenzen helfen uns auch, zu wissen, wer zu uns gehört. Und wir brauchen einander, vielleicht mehr als jemals zuvor. Wir müssen diejenigen ermutigen, die eine klare Stellung für biblische Überzeugungen beziehen. Die, die das tun, werden kritisiert, und solche Kritik kann scharf und niederschmetternd sein. Ein Teil der Schönheit des Leibes Christi ist unsere Fürsorge füreinander und unsere gegenseitige Ermutigung. Indem unsere umgebende Kultur feindseliger wird, wird gegenseitige Ermutigung weniger ein Luxus als eine Notwendigkeit.

Die dritte Frage bezieht sich auf unsere Pflichten als Bürger und Botschafter der Wahrheit und des Evangeliums in dieser fremden Welt. Als Christen halten wir an biblischen Überzeugungen fest und ziehen einander zur Verantwortung, wie wir mit ihnen umgehen. Aber wie verteidigen wir biblische Überzeugungen in der Öffentlichkeit?

Wir müssen uns von der Bibel den Weg weisen lassen. Wenn es das Evangelium betrifft, dann müssen wir Stellung beziehen. Wenn es biblische Wahrheit betrifft, dann müssen wir Stellung beziehen. Gott hat gesprochen in Bezug auf das Wesen menschlicher Identität und sexueller Identität. Gott hat gesprochen in Bezug auf Ehe.

Alle drei roten Linien werden in den zwei Eingangskapiteln der Bibel gezogen. Gott macht uns klar, dass er uns geschaffen hat, dass er uns männlich und weiblich geschaffen hat und dass er die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau eingesetzt hat. Diese drei grundlegenden Wahrheiten sind klar. Alle drei werden heutzutage zurückgewiesen.


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch A Time for Confidence von Stephen Nichols. Er erschien zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.