Sechs­facher Segen

Warum es sich für eine Gemeinde lohnt, Mitarbeiter ziehen zu lassen

Artikel von Tony Merida
6. März 2020 — 12 min Lesedauer

Kann es für eine Gemeinde gut sein, die besten Leute in eine neue Gemeindegründung zu entsenden? Viele Gemeinden zerbrechen sich den Kopf über diese Frage. Ich verstehe die Sorgen, die damit verbunden sind. Dennoch will ich die dahinter liegende Haltung hinterfragen.

Sende die Besten

„Die Haltung: „Wir lassen unsere besten Leute nicht ziehen!“, ähnelt eher der eines Sportmanagers, der verständlicherweise seine besten Spieler nicht transferieren möchte.“

 

Die Haltung: „Wir lassen unsere besten Leute nicht ziehen!“, ähnelt eher der eines Sportmanagers, der verständlicherweise seine besten Spieler nicht transferieren möchte. Im Neuen Testament finden wir allerdings ein anderes Dienstverständnis. Die Gemeinde in Antiochia sandte etwa Paulus und Barnabas aus (Apg 13,1–3) und als es um unsere Errettung ging, sandte der Vater das Beste, was der Himmel zu bieten hatte (Joh 17,18).

Gemeinden, die nicht missionieren, werden kraftlos in der Nachfolge. Sie werden nicht gesund wachsen. Wir werden nicht nur für die Mission geheiligt, wir werden auch durch sie geheiligt.

Wie also segnet Gemeindegründungsarbeit die sendende Gemeinde? Hier sind sechs Möglichkeiten:

1. Der Fokus bleibt auf dem Missionsbefehl

Das Konsumdenken ist ein großes Problem in Amerika (und in vielen anderen Teilen der Welt). Wenn aber diese Konsumhaltung in die Gemeinden einsickert, führt das zu großen Schwierigkeiten. Sich auf Gemeindegründung zu konzentrieren, hilft dabei, das Konsumdenken im Leib Christi zu bekämpfen.

Durch Gemeindegründungsarbeit erinnerst du die Leute daran, dass wahre Gemeindemitgliedschaft eher mit einem Beitritt ins Militär als einem Kinobesuch zu vergleichen ist. Die Gemeinde ist kein Ort, an dem du Popcorn essend eine Predigt konsumierst. Es ist vielmehr der Ort, an dem wir Gott anbeten und von ihm gemeinsam in die Welt gesandt werden. Wenn Gemeinden aufhören, sich auf den Missionsbefehl zu konzentrieren, zieht der geistliche Tod ein. Gemeinden, die nicht senden, sterben irgendwann.

2. Leute werden dazu gebracht, als Bürger des Himmels zu leben

Gemeindegründungsarbeit bewirkt, dass Menschen häufig „Tschüss“ sagen müssen, da sie an einen anderen Ort ziehen. Diese Abschiede sind zwar schmerzhaft, aber durch das Evangelium bedingt.

Natürlich ist das sehr schwer, denn es schmerzt und wir wollen unsere besten Leute nicht verlieren. Wir tun es trotzdem, weil wir wissen, worum es dabei geht und weil Christus es wert ist. Als Christen wissen wir, dass wir Billionen von Jahren haben, die wir gemeinsam in der Herrlichkeit verbringen können, so dass sich ein Abschied für einige Jahrzehnte lohnt. Dies ist ein Teil dessen, wie es aussieht, im Licht unserer himmlischen Bürgerschaft zu leben (Phil 3,20). Es gibt keinen Schmerz, den wir jetzt im Dienst an Christus erleiden, der sich nicht lohnt, wenn wir bedenken, dass wir ihn eines Tages von Angesicht zu Angesicht sehen.

3. Die Messlatte für die Jüngerschaft wird hochgelegt

Jüngerschaft darf nicht auf bloße Informationsweitergabe reduziert werden (so wichtig das auch ist). Vielmehr unterrichten wir die Menschen mit den Wahrheiten aus Gottes Wort, so dass sie verändert werden und als Gottes Volk mit einer Mission leben. Wir müssen Menschen im Hinblick auf die Mission in der Jüngerschaft anleiten. Gemeindegründungsarbeit hebt Mission als Teil der Jüngerschaft hervor.

4. Eine Kultur der Großzügigkeit und Einheit wird gefördert

„Wenn eine Gemeinde das Evangelium und die Mission im Zentrum behält, werden (üblicherweise) viele der kleinen Zankereien an Bedeutung verlieren, weil man auf das Wesentliche konzentriert bleibt.“

 

Wenn eine Gemeinde das Evangelium und die Mission im Zentrum behält, werden (üblicherweise) viele der kleinen Zankereien an Bedeutung verlieren, weil man auf das Wesentliche konzentriert bleibt. Dort, wo Menschen auf das Wesentliche fokussiert sind, wird Einheit kultiviert.

Gemeindegründungen fördern auch Großzügigkeit. In unserer Gemeinde spendet ein 74-jähriger Geschäftsinhaber regelmäßig für die Mission, einschließlich direkter Gaben an einen unserer jungen Gemeindegründer in Frankreich. Ich liebe es, die beiden miteinander zu sehen, wenn unser Gründer auf Heimaturlaub ist. Es ist ein schönes Bild von Großzügigkeit und der Partnerschaft des Evangeliums über die Generationen hinweg.

5. Menschen werden veranlasst, über Kontextualisierung nachzudenken

Gemeindegründer, die ausgesandt wurden, um an verschiedensten Orten der Welt Gemeinden zu gründen, kommen häufig mit allerlei verrückten und leider oft auch traurigen Geschichten über den Götzendienst in den jeweiligen Länder zurück. Es fällt uns leicht, über diese Menschen zu richten, bis wir realisieren, dass auch wir ein Volk mit unseren eigenen Götzen sind. Leider sind wir oft zu blind, diese zu erkennen.

Durch die Berührung mit dem Götzendienst anderer wird die Gemeinde dazu gebracht, sich selbst zu hinterfragen: Was sind unsere Götzen? Was ist mit unseren Nachbarn? Worauf hoffen sie? Der Vorteil, eine Gemeinde zu sein, die ein anhaltendes Anliegen für die Evangelisierung der Völker hat, ist, dass wir uns unausweichlich damit beschäftigen, die Gute Botschaft auch unter die eigenen Nachbarn zu bringen.

6. Das Gebet wird gefördert

„Das Aussenden eines Gemeindegründungsteams kann das Gebetsleben einer Gemeinde erheblich fördern, weil bei jedem das das Bewusstsein dafür gefördert wird, völlig von Gott abhängig zu sein.“

 

Das Aussenden eines Gemeindegründungsteams kann das Gebetsleben einer Gemeinde erheblich fördern, weil bei jedem das das Bewusstsein dafür gefördert wird, völlig von Gott abhängig zu sein. So berichten Teams, nachdem sie sich auf den Weg gemachte haben, eine Gemeinde zu gründen, häufig über eine nie da gewesene Tiefe ihres Gebetsleben. Tim Keller berichtete etwa darüber, dass das so war, als der Entschluss gefasst wurde, die Redeemer-Gemeinde in Manhattan (USA) zu gründen.

Aber nicht nur das Gründungsteam erfährt ein wiederbelebtes Gebetsleben. Gleiches gilt für die aussendende Gemeinde. Wenn Neuigkeiten aus der Gründungsarbeit berichtet werden, betet die Gemeinde. Wenn Pastoren gemeinsame Gebetszeiten leiten, betet die Gemeinde für diese neuen Arbeitszweig.

Es ist unglaublich, mitzuerleben, wie das Gebet für die Verbreitung des Evangeliums in der Welt das Gebet der Gläubigen entfacht. Du möchtest also, dass deine Gemeinde betet? Mache Ernst mit Gemeindegründungen.

Unermesslicher Segen

Die Gründung von Gemeinden bringt unermesslichen Segen. Kostet es was? Auf jeden Fall! Werden die Abschiede schmerzhaft sein? Ganz bestimmt! Wird es Herausforderungen geben? Mit Sicherheit! Ist das ein garantiertes Mittel für Gemeindewachstum? Nein. Aber wir müssen Gemeinschaften des Lichts in der Dunkelheit unserer Welt stärken. Geben wir uns also der Sache hin.

Wenn wir uns für Gemeindegründung zur Verfügung stellen, sollten wir nicht vergessen, dass Gott sie dazu benutzen wird, um auch die sendende Gemeinde zu heiligen und zu segnen.

Tony Merida ist der Gründer der Imago Dei Church in Raleigh, North Carolina (USA), Inhaltsdirektor für Acts 29, Dekan des Grimke Seminary und Ratsmitglied der Gospel Coalition.