Die Schönheit des befreienden Evangeliums

Warum wir den Reformationstag feiern

Artikel von Stephen Nichols
30. Oktober 2019 — 6 min Lesedauer

Die Welt wurde durch ein einziges Ereignis an einem einzigen Tag, dem 31. Oktober 1517, verändert. Bruder Martin, ein katholischer Mönch und Gelehrter, hatte jahrelang mit seiner eigenen Kirche gerungen. Er war verärgert über den Ablasshandel, den es so noch nie gegeben hatte.

Die Notwendigkeit der Reformation

Neben Martin Luther spielte Albrecht von Brandenburg eine wichtige Rolle. Er war ein junger Bischof – dem Kirchenrecht nach zu jung – über zwei Bistümer und strebte zudem die Leitung über das Erzbischoftum in Mainz an. Auch das widersprach dem Kirchenrecht. Also wandte sich Albrecht an den Papst in Rom, Leo X. Da Leo X. selbst von der De Medici Familie stammte, erlaubte er sich aus Habsucht, dass seine Wünsche seine finanziellen Ressourcen übertrafen (er leistete sich z. B. die Künstler und Bildhauer Raffael und Michelangelo).

Als Albrecht von Brandenburg um päpstliche Zustimmung bat, war Leo X. bereit, auf einen Handel einzugehen. Albrecht würde, um den päpstlichen Segen zu erhalten, Ablässe für Sünden der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft verkaufen. All das erboste Martin Luther, damals noch Mönch. Sollen wir uns den Weg in den Himmel kaufen können? Luther musste Stellung beziehen.

Aber warum am 31. Oktober? Der Grund liegt darin, dass der 1. November einen besonderen Platz im Kirchenkalender innehatte, als Feiertag Allerheiligen. Am 1. November 1517 würde es eine riesige Ausstellung neu erworbener Reliquien in Wittenberg geben, wo Luther zu Hause war. Pilger aus der ganzen Welt würden kommen, um sich vor den Reliquien zu verbeugen, damit sie hunderte bis tausende Jahre vom Fegefeuer erlassen bekommen. Das verärgerte Luther noch mehr. Das konnte nicht richtig sein.

Martin Luther, ein Gelehrter, nahm seine Feder zur Hand, tunkte sie in sein Tintenfass und schrieb die 95 Thesen am 31. Oktober 1517 nieder. Sie waren dazu gedacht, eine Debatte anzuregen und seine Brüder in der Kirche zum Nachdenken zu bringen. Die 95 Thesen regten jedoch viel mehr als nur eine Debatte an. Die 95 Thesen offenbarten, dass eine Rehabilitation der Kirche nicht mehr ausreichte. Sie brauchte eine Reformation. Die Kirche und die Welt würden nie wieder dieselbe sein.

Die Schönheit des befreienden Evangeliums

Eine der 95 Thesen Luthers besagt einfach: „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ Das ist die Bedeutung des Reformationstages. Die Kirche hatte das Evangelium aus den Augen verloren, weil sie schon lange vorher die Blätter der Bibel mit vielen Schichten kirchlicher Tradition zugedeckt hatte. Tradition führt immer zu Werkgerechtigkeit, durch die man sich seinen Weg zu Gott verdienen muss. Das galt für die Pharisäer genauso wie für die mittelalterliche, katholische Kirche. Hatte Christus selbst nicht gesagt: „Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“? Der Reformationstag feiert die Schönheit des befreienden Evangeliums von Jesus Christus.

Was ist der Reformationstag? Es ist der Tag, an dem das Licht des Evangeliums die Finsternis durchbrach. Es ist der Tag, an dem die protestantische Reformation begann. Es ist der Tag, der dazu führte, dass Martin Luther, Johannes Calvin, John Knox und viele andere Reformatoren der Kirche dabei halfen, ihren Weg zu Gottes Wort als einziger Autorität für den Glauben und das Leben zurückzufinden. Daraus folgte, dass die Kirche zu den herrlichen Lehren der Rechtfertigung durch Gnade allein, aus Glauben allein und in Christus allein zurückgeführt wurde. Es entzündete das Feuer missionarischen Eifers, brachte zahlreiche neue Lieder, führte zum Gesang der Gemeinde und bestärkte die Zentralität der Predigt im Gottesdienst. Am Reformationstag feiern wir diese tiefgreifende theologische, kirchliche und kulturelle Veränderung.

Dieser Tag erinnert uns daran, dankbar für unsere Vergangenheit zu sein und für den Mönch, der Reformator wurde. Aber viel mehr noch erinnert er uns daran, dass wir verpflichtet sind, in allem was wir tun, das Licht des Evangeliums im Zentrum zu halten.