Sechs Thesen, um die Nationen mit guter Lehre zu erfüllen

Artikel von Tony Merida
11. Juni 2019 — 12 min Lesedauer

Ich bin vor kurzem von einer Woche in Uganda und Kenia zurückgekehrt, wo ich dabei geholfen habe, Pastoren und Gemeindegründer auszubilden. Ich hatte das Privileg, mit anderen Pastoren zu dienen, und die Reise hinterließ einen großen Eindruck auf uns. Im Folgenden möchte ich sechs persönliche Reflexionen über die theologische und pastorale Ausbildung in unterentwickelten Regionen der Welt herausarbeiten.

1. Nimm am Kampf gegen theologische Armut teil

Es gibt heutzutage viele gute, globale Anliegen, an denen man sich beteiligen kann. Ich selbst mache bei vielen mit, von der Waisenfürsorge bis zum Kampf gegen Genderzid. Aber ich würde es vorziehen, eine zunehmende Begeisterung und Hingabe für den Kampf gegen theologische Armut zu sehen.

Da ich in den letzten 15 Jahren die Welt bereist und Gemeindegründer und Gemeindeleiter ausgebildet habe, ist es mir deutlich vor Augen getreten, warum es viele falsche Evangelien gibt. Die Menschen wurden einfach nicht im wahren Evangelium geschult. Was ich in Uganda und Kenia vorgefunden habe, war ein wirklicher Hunger und eine Offenheit für die historische, christliche Lehre. Das einzige Problem ist, dass gewisse Wahrheiten nie gut artikuliert und von falscher Lehre unterschieden wurden. Deshalb neigen Menschen dazu, zu glauben, was sie hören.

Es ist gesagt worden, dass die Menschheit unheilbar religiös sei; dass wir religiöse Wesen sind, die an irgendetwas glauben werden. Und wenn wir die Nationen nicht mit guter Lehre erfüllen, dann werden die Menschen an etwas anderes glauben.

Welchen Einfluss auch immer du in dieser Welt hast, würdest du darüber nachdenken ihn einzusetzen, um dabei zu helfen, robuste theologische Ausbildung für hungrige Studenten verfügbar zu machen?

2. Sieh ein, dass Onlineschulung nicht genug für einen Großteil der Welt ist

Während meiner Lehrzeit kam das Thema der Onlineschulung immer mal wieder auf. Obwohl manche Studenten sagen, dass sie einen ausreichenden Zugang zum Internet haben, gilt das für die meisten nicht. Deshalb ist Onlineschulung einfach keine Option. Diese Studenten brauchen lebensnahe Lehre und sie brauchen gedrucktes Material. (Übrigens, selbst da, wo Onlineschulung eine Option ist, ist sie kein Ersatz für leibhaftiges, gemeinschaftliches Lernen.)

Während meiner Reisen bin ich immer dankbarer geworden für Ressourcen wie die kleinen Bücher von 9Marks. Sie sind so wichtig und nützlich. Ein großes Dankeschön an Mark Dever, Jonathan Leeman und andere, die zu dieser Serie beigetragen haben.

Auf dieser speziellen Reise nach Afrika gab ich eine Ausgabe meines Kommentars über die Apostelgeschichte aus und die Reaktion war erstaunlich. Man hätte denken können, dass man den Studenten Gold überreicht hätte. Sie haben mir immer wieder gedankt. Wir müssen ihnen mehr gute Ressourcen zur Verfügung stellen.

3. Wir brauchen kontextsensible theologische Schulung

Ich habe mal einen Vortrag mit dem Titel „Grundkurs in der Gemeindegründung“ gehalten. Dabei ermutigte ich die Studenten, die Gemeinde zu gründen, die zu ihnen und zu ihrer Umgebung passt. Ich ermutigte sie, nicht ein amerikanisches Gemeindemodell zu kopieren, sondern eine Gemeinde zu gründen, die zu ihrem Kontext passt. Das bedeutet, über ihre Stadt nachzudenken, wenn sie die Musik, die Jüngerschaftsprogramme, Evangelisationen usw. planen.

So viel von der Schulung aus dem Westen hat keine Unterscheidung zwischen den zeitlosen, biblischen Prinzipien für die Gemeinde gemacht und der Flexibilität, Gemeinde im eigenen Kontext zu gründen. Es gab hörbare Bestätigung von den Studenten (manche applaudierten sogar), als ich ihnen sagte, dass sie Gemeinde für Uganda und Kenia gründen sollen und nicht für Amerika.

Diese Studenten müssen, wie in jedem anderen Land auch, mit der Heiligen Schrift beginnen, wenn es zu Ekklesiologie, Verkündigung, Ältestenschaft und anderen Themen kommt. Wenn wir Menschen schulen, müssen wir ihnen eine biblische Ekklesiologie vermitteln. Aber wenn wir Pastoren in anderen Ländern ausbilden, sollten wir nicht unsere westlichen Praktiken mit biblischen Prinzipien verwechseln.

4. Der Großteil der Welt braucht Grundlagentraining; sie sind nicht bereit für einen Master in Theologie

Wir haben über die Jahre mitbekommen, dass die meisten Männer, die wir in Schwellenländern ausbilden, nicht bereit sind für einen Master in Theologie oder ein tiefgehendes theologisch/pastorales Assessment. Sie können das erreichen, wenn wir sie auf dem Weg begleiten. Das planen wir auch zu tun. Aber die meisten haben nicht die grundlegende Schulung erhalten, die die meisten Assessments oft voraussetzen.

Die meisten Bibelschulen sind ausgerichtet auf gebildete Menschen, die schon einen Bachelorabschluss haben. Ich möchte keine Steine werfen, sondern nur auf die Tatsache hinweisen, dass wir Millionen von Menschen übersehen, wenn wir keinen Plan dafür haben, grundlegende Schulung zu theologisch hungrigen Studenten zu bringen.

5. Um die theologische Tiefe auf Generationen hin zu vergrößern, ist es nötig, dass Gemeinden von geschulten Leitern gegründet und geführt werden

Ein Teil des Problems der rapiden Multiplikationsbemühungen in der Mission ist, dass sie nicht eine langfristige Sicht auf den christlichen Dienst haben. Wir müssen in Horizonten von 50+ Jahren denken, nicht nur fünf Wochen (oder selbst fünf Jahre).

Um zu erleben, wie sich die theologische Landschaft in einem Land langfristig ändert, müssen wir treue Pastoren identifizieren, schulen und ausrüsten, die dann über Jahre hinweg ihren Gemeinden dienen. Sie müssen Gemeinden gründen, die dann über Generationen hinweg andere Gemeinden gründen. Lasst uns diese Aufgabe annehmen.

6. Lasst uns Menschen, die Zugang zu Ressourcen und Schulung haben, herausfordern, dieses Privileg zu erkennen und einzusetzen

Es gibt wirklich keine Entschuldigung für Menschen in verschiedenen Teilen der Welt, nicht ernsthaft die Bibel, Theologie, Missiologie, Kirchengeschichte und geistliche Disziplinen zu studieren. Von Büchern über Blogs, Seminaren, Bibelschulen, Konferenzen, Software – die Ressourcen in der westlichen Welt sind enorm. Aber viele nutzen dieses kostbare Privileg nicht.

Unsere Weltlichkeit ist offensichtlich, wenn wir endlose Unterhaltung und das Streben nach Besitz und Komfort der Ausbildung vorziehen, die unsere Seele nährt. Wenn viele nur die Hälfte der Zeit, die sie auf Netflix verbringen, mit dem Lernen des Wortes Gottes verbringen würden, würden wir vielleicht eine geistliche Erweckung erleben.

Ein Ziel

Das Ziel bei der Schulung von Leitern – die Gemeinden in den bedürftigsten Regionen der Welt gründen und führen werden – ist die Herrlichkeit Christi. Darum geht es. Robuste theologische Schulung geschieht zu seiner Ehre in seiner Gemeinde auf der ganzen Welt. Und es gibt Brüder und Schwestern, die hungrig sind – und ich meine wirklich hungrig – um für diese Ausgabe ausgebildet zu werden.

Für diejenigen unter uns, die in einer privilegierten Stellung mit unzähligen Ressourcen sind: Werden wir unser Leben zur Ehre Christi und zum Wohl seines Volkes in den bedürftigsten Teilen der Welt einsetzen? Ich bete dafür.