Das Schon-Jetzt und das Noch-Nicht

Artikel von Burk Parsons
26. September 2018 — 5 min Lesedauer

Diese Welt ist nicht unser Zuhause, aber sie wird es sein. Wir verbringen unsere Tage in dieser traurigen Welt mit der eifrigen Erwartung des neuen Himmels und der neuen Erde und klammern uns täglich an diese Verheißung: „Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21,3–4). Wir sind Fremdlinge auf unserer Reise nach Hause, und wir haben Heimweh nach einem Ort, an dem wir noch nie gewesen sind. Wir sind Fremde in einem fremden Land, deren Bürgerrecht im Himmel sicher ist in dem, der uns vorausgegangen ist, der zur Rechten des Vaters sitzt und der zurückkehren wird, um zu richten, zu überwinden und zu vollenden.

In dieser Welt werden wir Bedrängnis haben, aber „seid getrost“, sagt Jesus – nicht, weil wir irgendwann die Welt überwinden werden, die Welt vollkommen verändern werden, uns an die Welt gewöhnen werden oder die Welt liebgewinnen werden – sondern weil Jesus erklärte: „Ich habe die Welt überwunden“ (Joh 16,33). Und so warten wir zwischen dem Schon-Jetzt und dem Noch-Nicht, zwischen dem, was unser Herr erklärt hat, dass es schon Wirklichkeit ist, und dem, was noch nicht offenbart wurde. Jedoch ist unser Warten weder vergeblich noch ein passives oder isoliertes Warten. Stattdessen warten wir auf unseren Bräutigam, damit er seine Braut aus allen Stämmen, Sprachen, Völkern und Nationen sammelt zu seiner Ehre. Wir warten mit hoffnungsvoller Erwartung, mit aktiver Beteiligung an der Mission Gottes und in Gemeinschaft mit der Kirche Jesu Christi. Denn Christus ist das Licht der Welt, und wir, die wir mit ihm durch Glauben verbunden sind – und durch Glauben allein – sind in ihm. Als solche sendet uns Christus, sobald er uns aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat, zurück in die Finsternis, um vor einer zuschauenden Welt in Wort und Tat zu leuchten. Indem die Welt unsere guten Werke sieht und unsere Verkündigung des herrlichen Evangeliums hört, wird die erwählte Braut Christi aus der ganzen Welt den Vater im Himmel preisen.

Obwohl sich vollständig aus der Welt zurückzuziehen oft attraktiv erscheint, gibt uns der Herr doch niemals diese Option (1Kor 5,9–10). Stattdessen, während wir in dieser Welt und in diesen Leibern der Sünde leben, sind wir Botschafter Christi auf unserer Reise in das Verheißene Land. Wenn wir Fremdlinge endlich zu Hause angekommen sind, wird Jesus alle Tränen von unseren Augen abwischen – nicht nur unsere Tränen der Trauer, sondern auch unsere Tränen der Freude – denn sonst könnten wir ihn niemals von Angesicht zu Angesicht sehen, während wir ihn auf ewig coram Deo anbeten.

Burk Parsons ist Senior Pastor der Saint Andrew’s Chapel in Sanford, Florida (USA), Verlagsleiter bei Ligonier Ministries und Herausgeber des Tabletalk Magazins.