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Geistlich wachsen: Gespräch mit Wolf Christian Jaeschke

Der Theologe Dr. Wolf Christian Jaeschke, Herausgeber des Buches Von Gottes Gnade und des Menschen Elend, wird auf der E21-Konferenz 2014 ein Seminar zum Thema „Wachstum im Glauben und geistliche Begleitung: Grundgedanken und Grundansätze“ halten. Ron Kubsch hat ihn für E21 kurz dazu befragt:

E21: Wolf Christian, wie bist Du dazu gekommen, junge Christen und Studenten geistlich zu begleiten?

Ich bin als Student im 3. Semester zum Glauben gekommen. Seitdem habe ich immer eine Art Platzanweisung empfunden, in dem „Ambiente“ tätig zu sein, in dem sich bei mir alles so entscheidend verändert hatte.

E21: Da bist Du ja inzwischen schon sehr lange in diesem Bereich tätig. Wenn Du die Fragen, Zweifel, Träume, Wünsche der jungen Leute von heute mit denen vor 15 Jahren vergleichst, was hat sich verändert?

Dr. Wolf Christian Jaeschke

Inzwischen arbeite ich mehr aus der zweiten Reihe, bin also nicht mehr ganz so nah dran an der jetzigen Studentengeneration. Wirklich beantworten kann ich das nicht. Rein äußerlich sind für mich die beiden auffälligsten Unterschiede gegenüber der Zeit vor 15 Jahren das ständige Online-sein und die Verfügbarkeit von Billigfliegern. Angesichts der rasanten Veränderungen war vermutlich selten eine Elterngeneration überforderter als die jetzige, die nächste Generation zu verstehen. Unsereins konnte seinen Eltern noch erklären, warum die Grünen entstanden waren (auch wenn man selber keiner war), aber unsere Kinder können uns kaum noch erklären, warum die Piraten entstanden sind. Allerdings bin ich immer etwas zögerlich, allzu sehr aktuellen Trends nachzuspüren. Die entscheidenden Fragen sind nun einmal zeitlos.

E21: Wo siehst Du die besonderen Aufgaben der Gemeinden bei der Begleitung von jungen Christen?

Junge Christen brauchen persönliche Zuwendung. Es ist wie bei der allgemeinen menschlichen Entwicklung und Erziehung. Kinder haben Eltern, das ist zunächst einmal das Entscheidende. Irgendwann kommen Institutionen wie Kindergarten und Schule ergänzend dazu. In Gemeinden ist die Gefahr, dass sich das Verhältnis umkehrt. Die Gemeinde bietet „Institutionen“, also Kindergottesdienst, Sonntagsschule, Jugendkreise usw. Aber man braucht auch geistliche Eltern. Wenn man aus einem gläubigem Elternhaus kommt, ist das normalerweise inbegriffen; aber ab einem bestimmten Alter braucht man auch über die Eltern hinaus geistliche Leitfiguren. Und die, die von außen zur Gemeinde stoßen, also von zuhause keine geistliche Prägung mitbekommen haben, brauchen von Anfang an Menschen, die sie in Glaubensfragen unter die Fittiche nehmen. In Gemeinden gibt es meist viel zu wenige, die hierfür zur Verfügung stehen.

E21: Kannst Du kurz erzählen, was Du im Seminar ansprechen wirst?

Vor vielen Jahren sagte mir einmal ein studentischer Mitarbeiter: „Ich bin gerne bereit, eine evangelistische Gruppe zu leiten, denn da ist klar, was das Ziel ist. Aber ich möchte keine Wachstumsgruppe für Christen leiten, denn da habe ich nur sehr diffuse Vorstellungen, in welche Richtung das gehen sollte.“ Ich glaube, so empfinden es viele. Wie genau baut man weiter, nachdem die Fundamente des Christenlebens gelegt sind? Und das wohlgemerkt lebenslang. Das ist die Frage, um die es gehen soll. Wobei auch schon verraten sei (als ob das ein Geheimnis wäre!), dass es da natürlich auch sehr unterschiedliche Vorstellungen gibt.

Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns auf Dich!

Anmeldungen für die E21-Konferenz sind hier möglich.