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Martin Reakes-Williams im Gespräch

Der aus Großbritannien stammenden Pfarrer, Martin Reakes-Williams (Leipzig), hat ideaSpektrum gegenüber erklärt, was er über Deutschland denkt (Nr. 27, 5. Juli 2017,  S. 18–21). Wir haben einige Auszüge aus dem Interview mit dem E21-Vorstandsmitglied zusammengestellt.

In den letzten 50 Jahren hat das Vertrauen in die Heilige Schrift zugenommen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen gab es große Lehrer wie Martyn Lloyd-Jones (1899–1981), John Stott (1921–2011) und J. I. Packer (*1926), die mit ihrer Verkündigung und ihren Schriften sehr einflussreich wurden.

Gemeinde bedeutet für mich nicht nur eine lockere Zusammenkunft, sondern Verbindlichkeit und Engagement. Entscheidend ist nicht die äußere Form, sondern Klarheit bei der Verkündigung des Evangeliums.

Das Evangelium besteht nicht nur darin, dass Gott alle Menschen liebt, sondern auch darin, dass Jesus Christus durch seinen Sühnetod Gottes Zorn auf sich genommen hat. Erst dann bekommt man ein tieferes Verständnis von der Gnade und der Liebe Gottes und wird motiviert, das Evangelium an andere weiterzugeben. Diese Botschaft hört man jedoch nur in wenigen Gemeinden. Eine Predigt, die allen Menschen einfach nur Gottes Segen zuspricht, bleibt kraftlos. Ich nehme die Kirchen in Deutschland jedoch häufig als flexibel wahr, wo sie unnachgiebig sein sollten. Und unnachgiebig, wo sie flexibel sein sollten. Das Evangelium sollte jedoch unverändert bleiben, während man bei den äußeren Formen – wie der Gottesdienstgestaltung – flexibel sein kann.

Wenn die Kirchensteuer wegfiele, würde man merken, dass viele Gemeinden geistlich längst tot sind.

Ich habe in England so viele Beispiele erlebt, wie das Evangelium die Kraft hat, das Leben von Menschen zu verändern und Gemeinschaft zu schaffen. Wer in Deutschland aufgewachsen ist, dem fällt es in der Regel schwerer, dieses Urvertrauen zu haben, weil es hier nicht so viele positive Beispiele gibt.